Lange Zeit waren Vollformatkameras den Profis vorbehalten, weil sie für alle anderen unbezahlbar waren. Inzwischen finden sich jedoch schon Modelle für unter 1000 Euro im Handel. Wir zeigen Ihnen, für wen sich der Wechsel ins Vollformat lohnen kann, inkl. praktischer Auflistung der besten Vollformat-Systemkameras 2023 im Test.

Vollformat-Systemkameras im Test
W enn Sie sich eine neue Kamera zulegen möchten, haben Sie nicht nur die Wahl zwischen diversen Modellen unterschiedlicher Hersteller, sondern auch zwischen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten. Bei Systemkameras sind dabei das Vollformat, das kleinere APS-C-Format und das noch einmal deutlich kleinere MFT-Format die gängigsten Standards.
Traditionell lag bei den Kameras die Aufteilung so: die hochwertigen Vollformatkameras waren Profis und Semiprofis vorbehalten, während sich die APS-C- und MFT-Modelle eher an Einsteigerinnen und Einsteiger richteten. Inzwischen ist diese strikte Trennung jedoch überholt, denn die Top-Modelle im APS-C-Bereich müssen sich vor ihren Vollformat-Pendants nicht verstecken.
Und auf der anderen Seite finden sich bei den Herstellern längst auch Vollformatkameras, die sich gezielt an Einsteigerinnen und Einsteiger richten. Doch was macht Vollformatkameras eigentlich so besonders? Wo liegen ihre Vorteile?
Gründe fürs Vollformat
Bei Vollformatsensoren ist die Pixelgröße in der Regel höher als bei APS-C-Kameras – schlichtweg, weil auch das Platzangebot größer ist. Das hat in der Praxis einen entscheidenden Vorteil: Jeder Pixel kann mehr Licht aufnehmen als ein Pixel auf einem APS-C-Sensor mit identischer Auflösung.
Davon profitieren Sie vor allem bei Aufnahmen mit schlechten Lichtverhältnissen. So kann eine Vollformatkamera mit einer vergleichsweise kurzen Belichtungszeit ein ausgewogen belichtetes Foto realisieren. Bei Kameras mit kleineren Sensoren bräuchten Sie in der gleichen Motivsituation eine längere Belichtungszeit, was zu verwackelten, unscharfen Aufnahmen führen kann.
Alternativ könnte die Kamera versuchen, mit einer höheren Lichtempfindlichkeit des Sensors zu reagieren, woraus jedoch in der Regel ein unschönes Bildrauschen resultiert.


Warum sollten Sie zu einer Vollformatkamera wechseln, wenn Sie mit Ihrer APS-C- oder MFT-Kamera doch eigentlich zufrieden sind? Wir stellen Ihnen vier Gründe vor, warum sich ein Wechsel für Sie lohnen könnte.
1. Freistellen: Bei Vollformatkameras können Sie die Schärfentiefe gezielter steuern als bei Kameras mit APS-C- oder MFT-Sensoren. So können Sie Ihr Hauptmotiv besser vor dem Hintergrund freistellen und den Blick des Betrachters gezielt auf bestimmte Details richten.
2. Bildrauschen: Dank der Größe kann jeder einzelne Pixel bei gleicher Belichtungszeit bei einer Vollformatkamera mehr Licht aufnehmen als bei APS-C-Kameras. Somit können Sie auch bei Dämmerung mit kurzen Belichtungszeiten fotografieren und müssen kein störendes Bildrauschen fürchten.
3. Bildwinkel: Nutzen Sie ein 20mm-Objektiv mit Ihrer Vollformatkamera, beträgt die tatsächliche Brennweite auch 20 mm. Bei einer APS-C-Kamera läge diese bezogen auf das Kleinbildformat aufgrund des Crop-Faktors nämlich bei 30 mm, bei MFT-Kameras sogar bei 40 mm. Das bedeutet in der Praxis: Der abgebildete Bildwinkel ist bei Vollformatkameras erheblich größer, was bei Weitwinkelaufnahmen ein deutlicher Vorteil ist.
4. Auflösung: Vollformatkameras haben in der Regel eine sehr hohe Auflösung. Sie profitieren davon nicht nur, wenn Sie großformatige Ausdrucke anfertigen lassen wollen, sondern auch dann, wenn Sie bei Fotos lediglich einen Ausschnitt verwenden möchten und dieses zuschneiden. Auch der Zuschnitt hat dann immer noch eine vergleichsweise hohe Auflösung.
Viel Platz fürs Motiv

Vorteile bringen Vollformatkameras auch dann mit, wenn Sie mit einer kurzen Brennweite, also mit einem Weitwinkelobjektiv, fotografieren möchten. Das ist immer dann der Fall, wenn Sie einen möglichst großen Bildwinkel in der Aufnahme abbilden möchten. Typische Motive hierfür sind Landschaften oder auch Architektur.
Vollformatkameras sind hier im Vorteil, weil der Bildwinkel bei identischer Brennweite größer ist als bei APS-C-Kameras. Bei Weitwinkelaufnahmen passt also schlichtweg mehr Motiv aufs Bild. Ein weiterer entscheidender Pluspunkt von Vollformatkameras ist die Möglichkeit, die Schärfentiefe im Bild sehr fein zu bestimmen.
Das ist bei Landschaftsaufnahmen in der Regel weniger wichtig, bietet jedoch enorme Möglichkeiten zum Beispiel bei Porträt-, Nah- und Makroaufnahmen, bei denen Sie Ihr Hauptmotiv vor dem Hintergrund freistellen möchten. Es gibt also einige gute Gründe, sich für eine Kamera mit Vollformatsensor zu entscheiden – wenn da nicht der meist deutlich höhere Preise wäre. Aber genau an diesem Punkt lässt sich inzwischen feststellen, dass auch im Bereich von deutlich unter 2000 Euro Top-Vollformatkameras zu finden sind.
Vom Einstieg bis zur Profiklasse
Die günstigsten Vollformatkameras bekommen Sie im Fotofachhandel schon für unter 1000 Euro. Im Gegensatz dazu kosten Geräte für absolute Profis nicht selten 6000 Euro oder mehr. Klar ist also, dass es auch bei Vollformatkameras erhebliche qualitative Unterschiede gibt.
Tatsächlich liegen die Schwächen bei Einstiegsgeräten vor allem bei der limitierten Geschwindigkeit. So schaffen die günstigen Geräte in der Einstiegsklasse im Serienbildmodus meist nur drei bis vier Aufnahmen pro Sekunde. Das ist zu wenig, wenn Sie Sport- und Actionfotos aufnehmen möchten, bei denen es auf Zehntelsekunden ankommt, ob man den optimalen Moment getroffen oder eben verpasst hat.
Fotografieren Sie hingegen nur Landschaften, Stillleben oder andere Motive, bei denen es nicht auf die Geschwindigkeit ankommt, sind die günstigen Vollformatkameras durchaus eine interessante Alternative zu APS-C-Kameras im gleichen Preissegment. In puncto Bildqualität schneiden auch günstige Vollformatkameras nämlich fast durch die Bank weg mit „super“ beziehungsweise „sehr gut“ ab.
Eine Vollformatkamera spielt ihre Stärken am besten in Kombination mit hochwertigen, lichtstarken Objektiven aus. Achten Sie beim Objektivkauf deshalb nicht nur darauf, dass diese „vollformatkompatibel“ sind, sondern auch auf eine hohe Lichtstärke. Universalzoom-Objektive bieten diese Eigenschaft in der Regel nicht und sind deshalb keine gute Wahl für Ihre Vollformatkamera.
Preislich attraktiv und gleichzeitig hochwertig sind lichtstarke Festbrennweiten, die Sie bei allen Herstellern für alle gängigen Brennweiten finden. Möchten Sie auf ein Zoom nicht verzichten, sind Modelle mit 28–75 mm und durchgehender Offenblende f/2,8 eine empfehlenswerte, lichtstarke Alternative.
Die 15 besten Kameras
Weiter unten stellen wir Ihnen die 15 besten Vollformatkameras vor, die aktuell am Markt erhältlich sind. Dabei sind die Preisunterschiede zwischen den Modellen groß. Die Lumix S1, die bereits 2019 auf den Markt kam, ist mit 1389 Euro das günstigste Modell.
Am tiefsten müssen Sie für die Sony Alpha 1 in die Tasche greifen. Hier sind 5.799 Euro fällig. Doch für das Geld dürfen Sie auch jede Menge Leistung erwarten, denn das Sony-Modell hat sich den Testsieg gesichert, womit die Sony Alpha 1 ganz offiziell die Bezeichnung „beste Vollformatkamera des Jahres 2023“ tragen darf.
Tatsächlich liefert die Alpha 1 in allen Testkategorien ab und wird mit Spitzennoten belohnt. Keine andere Kamera bietet eine höhere Bildqualität als das hochauflösende Sony-Modell.
Sony Alpha 1
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 97,3 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 93,2 %
- Geschwindigkeit (15 %): 96,6 %
- Video (10 %): 96,8 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 95,7 %

Nikon Z 9
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 92,6 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 96,6 %
- Geschwindigkeit (15 %): 96,8 %
- Video (10 %): 98,2 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 95,2 %

Canon EOS R3
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 92,0 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 97,7 %
- Geschwindigkeit (15 %): 97,7 %
- Video (10 %): 94,0 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 95,1 %

Sony Alpha 7R V
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 94,1 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 97,7 %
- Geschwindigkeit (15 %): 86,6 %
- Video (10 %): 96,7 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 94,5 %

Canon EOS R5
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 92,6 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 95,1 %
- Geschwindigkeit (15 %): 95,9 %
- Video (10 %): 97,3 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 94,4 %

Nikon Z 8
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 92,7 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 93,8 %
- Geschwindigkeit (15 %): 96,3 %
- Video (10 %): 99,3 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 94,3 %

Canon EOS R6 Mark II
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 91,6 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 94,1 %
- Geschwindigkeit (15 %): 97,6 %
- Video (10 %): 92,9 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 93,5 %

Sony Alpha 7 IV
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 96,0 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 91,6 %
- Geschwindigkeit (15 %): 88,6 %
- Video (10 %): 93,0 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 93,1 %

Sony Alpha 9 II
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 94,2 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 91,8 %
- Geschwindigkeit (15 %): 94,6 %
- Video (10 %): 89,7 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 93,0 %

Panasonic Lumix S5IIX
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 93,4 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 89,1 %
- Geschwindigkeit (15 %): 95,9 %
- Video (10 %): 100 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 93,0 %

Panasonic Lumix S1
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 93,7 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 93,6 %
- Geschwindigkeit (15 %): 86,7 %
- Video (10 %): 96,4 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 92,9 %

Sony Alpha 7S III
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 93,0 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 94,5 %
- Geschwindigkeit (15 %): 84,5 %
- Video (10 %): 96,4 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 92,6 %

Panasonic Lumix S5II
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 92,8 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 88,4 %
- Geschwindigkeit (15 %): 96,6 %
- Video (10 %): 97,2 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 92,3 %

Nikon Z 6II
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 92,6 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 92,7 %
- Geschwindigkeit (15 %): 90,2 %
- Video (10 %): 90,5 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 92,1 %

Panasonic Lumix S1H
Bewertung:
- Bildqualität (40 %): 90,2 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 94,6 %
- Geschwindigkeit (15 %): 86,5 %
- Video (10 %): 97,9 %
- Gesamtbewertung: SUPER, 92,0 %

Panasonic DC-S1HE-K spiegellose Vollformatkamera, 6K Videoaufnahmen mit Flip Screen (Vollbildaufnahme, 4:2:2 10-Bit interne Aufzeichnung, ohne Objektiv, Schwarz)
Hohes Qualitätsniveau
Doch auch übrigen Vollformatkameras, die es in unsere Top-15-Liste geschafft haben, glänzen mit Bestnoten. Interessant ist, dass alle aufgeführten Kameras von uns mit der Top-Note „super“ ausgezeichnet. Erst ab Platz 16, und damit nicht mehr in der Liste vertreten, folgen Vollformatkameras mit den Gesamtnoten „sehr gut“ und „gut“. Dennoch gibt es natürlich auch bei den Kameras in den Top 15 qualitative Unterschiede.
Insbesondere in den Kategorien Ausstattung und Geschwindigkeit sind die teuren Profikameras auf einem deutlich höheren Niveau als die Geräte für Einsteigerinnen und Einsteiger sowie Semiprofis. Achten Sie beim Kauf zudem auf die Gehäusegröße:
So sind Profikameras wie die Nikon Z 9 oder die Canon EOS R3 mit ihrem Hochformatgriff sehr schwer und wuchtig und somit für Outdoor-Touren eher weniger geeignet. Für solche längeren Fotoausflüge sind kompakte, leichte Modelle wie die Nikon Z 8 oder die Canon EOS R6 Mark II die deutlich besseren Alternativen.