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„Die Landschaftsfotografie ist aber viel mehr, als nur die typischen Hotspots zu fotografieren.“ – Landschaftsfotograf Florian Orth im Interview

Imposante Berglandschaften und märchenhafte Waldszenerien schmücken das Portfolio von Florian Orth. Dabei gleicht kein Motiv dem anderen und fesselt mit unterschiedlichsten Lichtstimmungen, Bildausschnitten und Gestaltungsansätzen. Im Interview erzählt der Fotograf und Trainer von den spezifischen Herausforderungen der Wald- und Bergfotografie und wie er sie mit der passenden Ausrüstung und Aufnahmetechnik meistert.

Landschaftsfotograf Florian Orth im Interview

Ist Florian Orth zum Fotografieren in waldigen und bergigen Gefilden unterwegs, hat er vor allem ein Ziel: besondere Landschaftsszenerien zu entdecken und diese mit fesselnden Lichtstimmungen und harmonischen Kompositionen einzufangen. Wie der Fotograf dabei vorgeht und welche Ausrüstung auf diesen Touren nicht fehlen darf, verrät er im Gespräch.

DigitalPHOTO: Herr Orth, wie finden Sie Ihre Motive und bereiten sich auf diese vor? Florian Orth?

Florian Orth: Es kommt darauf an. Viele Motive sind bereits durch Social Media allseits bekannt und mit Google leicht zu finden. Die Landschaftsfotografie ist aber viel mehr, als nur die typischen Hotspots zu fotografieren. Durch digitales Locationscouting finde ich häufig unbekannte Fotospots und Perspektiven. Mir persönlich macht das Entdecken neuer Fotomotive am meisten Spaß, da man nie genau weiß, was einen vor Ort erwartet.

Die Vorbereitung erfolgt mit verschiedenen Foto-, Wander- und Wetter-Apps wie zum Beispiel Photopills, Komoot und Wetteronline. Zum Thema digitales Locationscouting biete ich übrigens einen Videokurs an. Darin erkläre ich, wie ich neue und unbekannte Fotospots finde und Shootings im Vorfeld plane, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein.

Welche Ausrüstung darf beim Fotoausflug in den Wald keinesfalls fehlen?

Bei meinen Fotoworkshops werde ich oft gefragt, welches das beste Objektiv für die Waldfotografie sei. Viele denken an Weitwinkelobjektive, um die ganze Weite des Waldes zu fotografieren. Neben dem Nikon Z 14–24mm 2.8 sind bei mir aber auch immer das Nikon Z 24–70mm sowie das Telezoom-Objektiv Tamron 100–400mm F/4.5–6.3 Di VC USD mit im Fotorucksack.

Mithilfe eines Teleobjektivs kann ich kleine Details im Wald besser freistellen und den Blick der Betrachter und Betrachterinnen gezielt auf eine Szene lenken. Des Weiteren ist der Polfilter immer dabei. Damit kann ich unerwünschte Reflexionen auf den Blättern entfernen.

Und in die Berge? Gibt es etwas Spezielles, woran man unbedingt denken sollte?

Besonders bei der Bergfotografie sollten möglichst alle Brennweitenbereiche abgedeckt werden. Neben einem Weitwinkel, um große und weite Berge zu fotografieren, sollte unbedingt auch ein Tele für gewisse Situationen dabei sein. Zu meinen Lieblingsmotiven zählt zum Beispiel, wenn der Mond hinter einem Berggipfel auf- oder untergeht (Anm.: siehe Bild unten). Dafür sind Brennweiten ab 300mm unabdingbar.

Stellen Wald- und Bergmotive Landschaftsfotografen und -fotografinnen vor spezifische Herausforderungen?

Meiner Erfahrung nach ist die Bergfotografie tendenziell einfacher als die Waldfotografie. In den Bergen stehen das Fotomotiv und eine ungefähre Bildkomposition bereits im Vorfeld fest, doch im Wald ist das nur schwierig möglich. In der Waldfotografie ist es meist sehr knifflig, eine gelungene Komposition zu finden, die mit dem Wald und der Lichtstimmung harmoniert.

Häufig macht es Sinn, zunächst ohne Kamera durch den Wald zu laufen und nach markanten Bäumen Ausschau zu halten. Anschließend widme ich mich der Komposition und dann dem Fotografieren.

Was sind die wichtigsten Zutaten für Wald- und Bergaufnahmen mit Atmosphäre?

Eine der wichtigsten Zutaten ist das Licht. Ein Landschaftsfoto lebt von der Lichtstimmung vor Ort und diese ist bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang am schönsten. Empfehlenswert ist besonders ein Waldbesuch in den Mittelgebirgen bei Regenschauern und an Regentagen. Oft hängen die Wolken sehr tief und der Nebel streift über die Berghänge.

Dann können einzelne Bäume perfekt freigestellt werden und der Wald wirkt durch die nicht sichtbaren Bäume deutlich aufgeräumter. Ebenfalls ist ein Besuch an Nebeltagen bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang empfehlenswert, um die goldene Lichtstimmung in Kombination mit dem Wald zu fotografieren.

Gibt es Einstellungen, die Sie immer wählen?

Die wichtigste Einstellung ist das RAW-Format. Mit diesem erhalte ich von meiner Kamera eine unverarbeitete Datei, die ich mit einer RAW-Software wie Adobe Lightroom bearbeiten kann – ohne Verluste der Bildqualität in Kauf nehmen zu müssen. Zudem wähle ich immer einen neutralen Bildstil, damit mir meine Nikon Z 6 ein neutrales Histogramm anzeigt. Dies ist für die Wahl der Belichtungszeit, Blende und ISO essentiell. Tagsüber nutze ich den Autofokus und bei Nacht den manuellen Fokus.

Sie bieten auch Fotoworkshops und -reisen in kleinen Gruppen an: Welche Highlights erwartet Interessierte in diesem Jahr?

In 2023 sind zahlreiche Fotoworkshops geplant. Besondere Highlights sind für mich zum Beispiel der dreitägige Workshop im bayerischen Alpenvorland, der ebenfalls dreitägige Fotoworkshop am Sustenpass in der Schweiz sowie der Intensiv- Workshop im herbstlichen Naturpark Pfälzerwald. Außerdem finden auch regelmäßig meine Tagesworkshops im Pfälzerwald und Schwarzwald statt.

Der Fotograf

Die Liebe zur Natur und Fotografie entdeckte Florian Orth direkt vor seiner Haustüre: in der Pfalz. Seit seinem 16. Lebensjahr erkundet der Profifotograf den Pfälzerwald mit seiner Kamera und reist – fasziniert von der Landschaftsfotografie – inzwischen um die ganze Welt, um die schönsten Landschaften und Lichtstimmungen für die Ewigkeit im Bild festzuhalten.

Als Fototrainer teilt er sein Wissen in diversen Workshops, Reisen, E-Books und Videokursen für Zuhause. Mehr Bilder von Florian Orth und Infos zu seinem Angebot finden Sie unter:

www.florianorth.de | Instagram: @florianorthphotography

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