Wer mit einer Mittelformatkamera fotografiert, fotografiert entschleunigt. Die Kameras mit den riesigen Sensoren und XXL-Auflösung galten bislang immer als etwas schwerfällig und als Spezialisten für Stillleben. Die neue Fujifilm GFX100 II will aus dieser Schublade jedoch herausbrechen.

Fujifilm GFX100 II im Test
Pro & Kontra
+ extrem detailreiche Aufnahmen
+ für Mittelformat sehr flott
+ fortschrittliche Videofunktionen
+ zwei Speicherkarten-Steckplätze
+ verbesserter Bildstabilisator
- sehr teuer
Bewertung
- Bildqualität (40 %): 90,6 %
- Ausstattung & Bedienung (35 %): 93,2 %
- Geschwindigkeit (15 %): 85,1 %
- Video (10 %): 94,7 %
- Gesamtbewertung: SEHR GUT, 91,1 %
Während bei Vollformat- und APS-C-Kameras der Trend zu immer kompakteren Gehäusen geht, bleibt man beim Mittelformat dem Bewährten treu. Und so präsentiert sich auch die neue Fujifilm GFX100 II schwer und wuchtig.
Kein Wunder: Schließlich muss im Inneren ein riesiger BSI-Sensor mit 43,8 × 32,9 mm Durchmesser untergebracht werden. Unhandlich wirkt die GFX100 II trotz der Größe und des Gewichts im Übrigen nicht. Und so kann man sie sich durchaus nicht nur als Studiokamera, sondern auch auf Foto-Touren problemlos als Begleiterin vorstellen.
Das Vorgängermodell GFX100 brachte Fujifilm schon vor über vier Jahren auf den Markt. Logisch, dass die Japaner der GFX100 II einige technische Upgrades verpasst haben. Bei der Auflösung hat sich dabei jedoch nichts geändert.
Moderne Ausstattung

Der Mittelformat-Sensor löst nach wie vor mit 102 Megapixeln auf. Per Pixel-Shift-Multi-Shot sind dabei nun jedoch sogar ultrahochauflösende Bilder mit bis zu 400 Megapixeln möglich. Zudem verschafft der neue X-Prozessor 5 der Kamera einen deutlichen Geschwindigkeits-Boost. Bis zu 8,7 Aufnahmen pro Sekunde schafft die GFX100 II, beim Vorgängermodell war bei fünf Fotos pro Sekunde Schluss.
Zwar sind das Werte, über die Nutzerinnen und Nutzer von Vollformatkameras nur schmunzeln können, doch in der Mittelformat-Welt ist das ein echter Quantensprung. Mit dieser Geschwindigkeit eröffnen sich der GFX100 II so nämlich völlig neue Motivmöglichkeiten, die Mittelformatkameras bislang verwehrt geblieben sind.
Wenn Bewegung im Bild war, wurde es für Mittelformatkameras bislang nämlich meist schwierig. Damit macht die GFX100 II jetzt jedoch Schluss, wozu nicht zuletzt auch der verbesserte Autofokus beiträgt, der Deep Learning sowie eine Objekterkennung mitbringt.
Und dennoch gilt natürlich nach wie vor: Für Sport- und Actionfotos sind Mittelformatkameras nicht gemacht.

Alle wichtigen aktuellen Kameraeinstellungen sehen Sie auf der Fujifilm GFX100 II auf dem riesigen, beleuchteten Schulter-Display. Der Vorteil: Das spart Zeit und Aufwand, denn so brauchen Sie zur Kontrolle nicht unbedingt den elektronischen Sucher und müssen auch nicht den Kameramonitor zur Hilfe nehmen.
Die wichtigsten Upgrades
Neben den Verbesserungen beim Autofokus und Bildprozessor hat Fujifilm der GFX100 II auch bei der Bildstabilisierung ein Upgrade verpasst. So gleicht der integrierte Bildstabilisator statt 5,5 nun 8 Blendenstufen aus, was für Fujifilm einen Rekordwert darstellt.
Im Test sorgte jedoch vor allem ein anderes Detail für einen Wow- Effekt: Der elektronische Sucher ist mit einer Auflösung von 9,44 Mio. Bildpunkten ohne Übertreibung spektakulär. Solch ein scharfes, klares Sucherbild hat noch keine andere Kamera im Test geliefert.
Filmfans werden sich bei der Fujifilm GFX100 II über eine weitere Neuerung freuen. So nimmt die Kamera Videos nun maximal in 8K-Qualität auf, dann allerdings nur mit 24 bzw. 30 Bildern pro Sekunde. Sollen es 60 Bilder pro Sekunde sein, müssen Sie die Auflösung auf 4K reduzieren.
Erfreulich viel Durchhaltevermögen zeigte der Akku in unserem Test. Der schaffte, ohne Nutzung des Blitzes, mit einer Ladung bis zu 600 Aufnahmen. Für solch ein Megapixel-Flaggschiff ein absoluter Top-Wert!
Fujifilm GFX100 II Alternative: Fujifilm GFX50S II

Einen günstigen Einstieg in die Mittelformatfotografie bietet die kompakte GFX50S II, die im Jahr 2021 auf den Markt gekommen ist. Aktuell kostet das günstigste Mittelformat-Modell rund 3700 Euro im Fachhandel.
Testurteil: 87,0 %
DigitalPHOTO-Fazit
Auch bei der Fujifilm GFX100 II gilt: Eine Mittelformatkamera ist nicht für jede und jeden das optimale Werkzeug. Dafür ist das Kamerasegment zu speziell – und auch zu teuer.
Allerdings hat Fujifilm den Autofokus und die Geschwindigkeit so verbessert, dass die GFX100 II die aktuell vielseitigste Mittelformatkamera auf dem Markt ist. Eine High-End-Kamera, die mit einer extremen Detailtiefe beeindruckt und das Herz von Profis höher schlagen lassen wird.