Tauchen Sie mit uns ein in eine magische Nacht voller fantastischer Wesen, umhüllt von zarten Schleiern und feinem Nebel. Fotografin Lia Konrad und Designer Anton Krug zeigen Ihnen hier, wie Sie ein kreatives Fashion-Shooting mit viel Fantasie im Familiengarten umsetzen können.

Fashion-Fotoshooting mit einfachen Mitteln
Bei der Fotografie geht es darum, zu experimentieren, von anderen zu lernen und neue Sachen auszuprobieren. Genau das haben Fotografin Lia Konrad und Designer Anton Krug bei dem Fotoprojekt, das wir Ihnen hier vorstellen, gemacht.
„Die Idee, ein mystisches Fashion-Fotoshooting bei Nacht umzusetzen, war von Anton“, erzählte uns Lia. „Inspiriert dafür wurde er von einem ähnlichen Projekt, das der Modefotograf Kristian Schuller 2016 für die Fernsehshow Germany’s Next Topmodel realisiert hat. Allerdings mit einem großen Team und einem hohen Budget. Also beschlossen wir, uns ebenfalls an das Shooting zu wagen, diesmal mit einfacheren Mitteln.“
Zuerst machte sich Anton in den darauffolgenden Wochen an die Arbeit, die Kostüme und Accessoires zu entwerfen und fertigzustellen. „Zu jedem von uns ausgewählten Model hat er sich ein aufwendiges Konzept und Outfit überlegt“, so Lia.

Imposante Kostüme
Verantwortlich für all diese beeindruckenden Kostüme ist der Designer Anton Krug. Seit 2014 (damals zwölf Jahre alt) realisiert er seine Designentwürfe in realer Größe. Seit 2017 betreibt er sein Profil auf Instagram (@_anton_krug) und bekommt regelmäßig Anfragen von Fotografinnen und Fotografen, Stylistinnen und Stylisten sowie Models.
Seine Designs sind mittlerweile Teil von Musikvideo-Produktionen, wie z. B. für die kanadische Sängerin Grimes oder die deutsche Musikerin Ayliva. „Die Silhouette, Eleganz und stilistische Ausgewogenheit machen meine Kleider aus“, so Anton. „Es fasziniert mich, wie ich das Auftreten einer Person ,nur‘ durch Textilien, Schnittführung und handwerkliches Können verändern kann.“
Darüber hinaus habe sich Anton mithilfe seiner Familie um den passenden Shooting-Ort, nämlich einen Garten mit einem großen Baum, sowie die entsprechenden Utensilien wie Leiter, Stromversorgung und eine Nebelmaschine gekümmert.
Für letztere haben sie auch ein Nebelfluid mit hoher Dichte besorgt, damit der Nebel nicht sofort verfliegt und möglichst lange stehen bleibt. „Meine Aufgabe und größte Herausforderung bestand darin, genügend Licht für die Fotoaufnahmen zu haben“, fügte die Fotografin hinzu.
„Bis zum Tag des Shootings waren wir nicht ganz sicher, ob uns das Projekt gelingen wird. Wir hatten ein einziges Testfoto mit dem Smartphone von Anton. Und wie man weiß, sind die benötigten Lichtverhältnisse für eine Kamera anders als die für ein Handy.“
Für dieses Fotoprojekt nutzte Lia ihre Canon EOS R mit dem lichtstarken, weitwinkligen Canon-Objektiv EF-S 35mm F/2.8 Macro IS STM. Das Licht-Set-up wurde aus Zeitgründen einmal aufgebaut und so für alle Aufnahmen gleich verwendet. Von vorne wurde das jeweilige Model mit einer Dauerlichtleuchte Godox SL60 Bowens Mount samt Beauty-Dish-Aufsatz angeleuchtet, die die Fotografin einer der helfenden Personen in die Hand gedrückt hatte.
Hinter dem Baum bzw. einfach hinter dem Model hat sie zwei bis drei kleine Solar-Gartenlichter auf dem Boden platziert, die mit ihrem direkten Licht nach oben den Nebel anleuchten sollten. Für den Nebel selbst hat Lia die Nebelmaschine Eurolite N-10 eingesetzt.

Ablauf des Shootings

An einem Abend Anfang August dieses Jahres war es dann so weit. Alle – Fotografin, Designer, Models und einige Helfende – versammelten sich im ausgesuchten Garten und starteten mit der Umsetzung des Fotoprojekts.
„Besonders schwierig war, dass wir etwas unter Zeitdruck standen“, erinnerte sich Lia. „Zum einen kühlte es nachts doch sehr schnell ab, zum anderen dauerte es natürlich auch lange, bis jedes Model in ihren aufwendigen Kleidern eingeschnürt und das jeweilige Set aufgebaut war. Wir fingen um 21 Uhr an und waren trotz guter Vorplanung erst um 23.30 Uhr durch.“
Glück hatte das Team aber auf jeden Fall gehabt – erst eine halbe Stunde nach Projektende war der bereits für den ganzen Tag angesagte Regen gekommen. „Im Nachhinein hätte ich gerne noch mehr mit dem Licht herumexperimentiert“, so die Fotografin.
„Da wir aber unter so großem Zeitdruck standen, verblieben wir einfach bei dem, was direkt gut funktioniert hat.“ Wer Lias Bilder kennt, weiß, dass sie auch eine Meisterin im Bereich Postproduktion ihrer fantasievollen Aufnahmen ist. „Bei diesem Nachtprojekt war diese dennoch überraschend einfach“, gestand sie.

Ausgefeiltes Konzept
Für jedes Model hat sich Designer Anton Krug ganz spezielle, aufwendige Outfits überlegt. „Die Inspiration zum weißen Kleid mit den grünen Flügeln (s. weiter oben) war die Feenkönigin Titania aus Shakespeares ,Ein Sommernachtstraum‘. Das grüne Ensemble (s. oben) sollte eine Art fabelhaftes Insekt darstellen.
Die transparenten Stoffbahnen erinnern an die zarten Flügel von Gottesanbeterinnen und der glitzernde Rock an Panzer von Käfern“, so Anton. „Eine Hibiskusblüte gab mir die Idee zum roten Kleid, das im Kontrast zur tiefen Nacht so schön strahlt.“
„Ich ging davon aus, dass ich viel mehr farblich und an der Lichtsetzung korrigieren musste, aber sie sahen direkt aus der Kamera bereits gut aus.“ So musste Lia lediglich ein paar Stromkabel in Photoshop entfernen, hier und da die Kleider verlängern und den Bildern einen leichten Glow-Effekt verpassen.
„Früher habe ich hierfür mit dem Gaußschen Weichzeichner auf zwei Ebenen gearbeitet. Die Ebene mit dem leuchtenden Rand war dann etwas heller. Mittlerweile nutze ich dafür Photoshops Plug-in Oniric, um mir den Bearbeitungsschritt zu sparen.“
Wir sind begeistert von den Endergebnissen von Lias und Antons Fashion-Shooting bei Nacht. Lassen Sie sich davon inspirieren und probieren Sie Ihre eigenen Fotoideen mit einfachen Mitteln aus!

Lia Konrad alias Lincary ist seit 2014 in der Fotoszene unterwegs, seit 2020 nun auch hauptberuflich. Ihre große Leidenschaft ist es, in ihren Inszenierungen Fantasy und Fashion ineinander verschwimmen zu lassen.
„Ich liebe es, wie facettenreich die Fotografie seit der Digitalisierung geworden ist und jeder Mensch, wenn er möchte, sich darin kreativ ausleben kann“, sagt die Fotografin. Dazu verbringt sie gerne Zeit in der Natur und bereist neue Länder, wie z. B. bei ihrer letzten Tour mit einer Fotoreisegruppe nach Island im Juni 2023.
Instagram: @liancary