Wälder bieten vielseitige Motiv- und Gestaltungsmöglichkeiten. Erfahren Sie, wie Sie Waldszenerien bei Regen und Nebel in Szene setzen – mit zwei Bildbeispielen aus der DigitalPHOTO-Lesergalerie.

Waldszenerien mit Atmosphäre aufnehmen
Telebrennweiten ermöglichen durch ihren engen Bildausschnitt nicht nur, uninteressante Vordergründe oder Himmel auszublenden und Details einer Landschaft von ihrem Umfeld zu isolieren, sondern auch bestimmte Texturen und Strukturen bildfüllend in den Fokus zu setzen. Das zeigt auch die Aufnahme des Bergwaldes (s. oben) von Heiko Römisch. Diese entstand an einem frühen Abend in Wallgau in Oberbayern, als dichte Wolken nach einem regnerischen Tag über den Nadelwald hinwegzogen:
„Für mich war es wichtig, die Strukturen der dunklen Baumspitzen im Kontrast zu den noch vorhandenen weißen Wolken im Bild festzuhalten. Dabei war mein Ziel, dass die beiden dunkleren Baumbereiche getrennt und von den helleren Wolkenbereichen ,eingefasst‘ wurden“, so Fotograf Heiko Römisch. Durch die Konvertierung in Schwarzweiß wird dieser strukturelle Effekt der Helligkeitsunterschiede betont.
Wälder – egal, ob bunte Laub- und Mischwälder oder dunkle Nadelwälder – sind chaotische Szenerien, in denen sich viele kleine und große Bildelemente wie Blätter, Äste, Baumstämme, Steine, Felsen und mehr tümmeln. Genau dieses visuelle Gewirr macht den Reiz waldiger Motive aus, birgt jedoch auch gestalterische Herausforderungen.
Um Waldmotiven mehr Ruhe und Wirkung zu verleihen, kann es helfen, ein markantes Element innerhalb dieses Getümmels wie zum Beispiel einen Baumstamm oder Wasserfall in den Brennpunkt der Aufnahme zu setzen. Oder Sie verändern Ihren Blickwinkel und halten das „Meer aus Bäumen“ aus einer erhöhten Perspektive fest, wie Heiko Römisch im Bild unten.
Für eine besonders schöne und fotogene Atmosphäre sorgt auch im Wald das sanfte und diffuse Licht der frühen Morgenund späten Abendstunden. Jedoch lassen sich in waldigen Gebieten auch bei Nebel, grauem Himmel oder nach Regen tolle Bildergebnisse erzielen.
Tipp für Waldshootings an nassen Tagen: Setzen oder schrauben Sie einen Polfilter vor Ihr Objektiv, um Reflexionen auf der Vegetation durch Regen oder Feuchtigkeit zu kontrollieren und leuchtende, satte Grüntöne zu erhalten.
Schritt für Schritt: geheimnisvoller Nebelwald

1. Mystische Location
Dieses wie aus einem Märchen entsprungene Waldmotiv fotografierte DigitalPHOTO-Leser Dagobert Volkmer in Wistman‘s Wood, einem Eichenwald in dem Nationalpark Dartmoor in Devon in England: „Wistman‘s Wood ist dunkel und mystisch und lockt mit moosbedeckten Felsen und großen, alten Bäumen mit verdrehten Ästen“, erinnert sich der Fotograf.
2. Stativ und Verlaufsfilter
Um die mit Moos bewachsenen Eichen und Steine inmitten des Nebels in Szene zu setzen, verwendete Dagobert Volkmer die Canon EOS 5D Mark IV zusammen mit dem Canon EF 24–70mm f/2.8L II USM auf einem Stativ. Zudem kam ein weicher Verlaufsfilter mit 0.3 Neutraldichte zum Einsatz.
3. Quadrat als Format
Als die Sonne leicht durch die Baumkronen in den nebligen Wald fiel, integrierte Dagobert Volkmer die dunklen Äste als natürlichen Rahmen im Bildvordergrund und wählte passend zu ihrem natürlichen, geschwungenen Verlauf ein quadratisches Bildformat. Dank ISO 100 erhielt der Fotograf rauschfreie Tiefen mit schöner Struktur.