Eindrucksvolle Makroaufnahmen überzeugen nicht nur durch technisch perfekt abgelichtete Motive, sondern vor allem auch durch eine kreative und durchdachte Bildgestaltung – wie dieser im Morgenlicht fotografierte Schmetterling beweist.

Bald ist es wieder so weit: Der kalendarische Frühlingsanfang steht bevor und die Pflanzenwelt bereits in den Startlöchern. Schon jetzt sprießen die ersten Frühlingsblüher wie etwa Schneeglöckchen oder Krokusse und setzen schöne Farbtupfer in triste Winterlandschaften.
Mit den wärmeren Temperaturen erwachen jedoch nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Tiere zu neuem Leben und verwandeln die Wiesen, Wälder und Felder in wahre Motivparadiese für die Makrofotografie. Von zarten Schmetterlingen über neugierige Krabbler bis hin zu bunten Blütenpflanzen lassen sich in Ihrer Umgebung viele heimische Motive entdecken – und in starken Nah- und Detailaufnahmen festhalten.
Möchten Sie zur Abwechslung exotische Pflanzen- und Tierarten ablichten, besuchen Sie zum Beispiel ein Reptilienhaus. Die Makrofotografie ist ein Genre mit Anspruch und verlangt Fotografinnen und Fotografen sowohl technisches Interesse und Feingefühl als auch Übung und Liebe zum Detail ab.
Jedoch darf auch das künstlerische Potenzial, das die facettenreiche Welt der kleinen Dinge bietet, nicht in den Hintergrund rücken. So gilt es, technische Präzision mit einer gekonnten Inszenierung und kreativen Komposition zu verbinden, um Fotos mit fesselnder Wirkung zu gestalten. Dafür ist eine Spezialausrüstung zwar manchmal von Vorteil, jedoch nicht zwingend notwendig.
Schritt für Schritt: Schmetterling im Morgenlicht fotografieren
1. Location und Tageszeit
Diesen Schwalbenschwanz entdeckte Anton Simon auf einer trockenen Waldlichtung außerhalb von Wien in Österreich: „Da ich dort öfter bin, weiß ich, dass man dort Schmetterlinge und andere Insekten finden kann. Mein Fotorucksack ist immer bereit, ich schaue am Vortag des geplanten Shootings auf die Wettervorhersage und prüfe, wann genau die Sonne aufgeht, um im perfekten Moment vor Ort zu sein“, verrät der Fotograf und fügt hinzu:
„Wenn man Schmetterlinge oder andere Insekten in Ruhe fotografieren möchte, ohne dass diese sofort losfliegen, wenn man ihnen zu nahe kommt, sollte man es bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang versuchen. Zudem ist es von Vorteil, zu wissen, welche Insekten welche Pflanzen bevorzugen, wo ihre Schlafplätze oder Futterpflanzen sind.“
2. Ausrüstung
Um den Schmetterling im schwachen Morgenlicht scharf in Szene zu setzen, montierte Anton Simon seine Kamera, die Canon EOS 6D Mark II, samt Makroobjektiv Sigma 150mm F2,8 EX APO DG Makro HSM auf das leichte Stativ Tournament CT-3442 mit dem Kugelkopf CB-50DC Carbon Fiber von Feisol.
3. Aufnahme und Bearbeitung
Als sich der Schmetterling durch das Morgenlicht langsam aufwärmte, öffnete er seine fotogenen Flügel. Um diese vor einem unscharfen Hintergrund mit schönen Bokehkreisen in den Fokus zu setzen, machte sich Anton Simon einen kleinen Helfer zu Nutze:
„Vorsichtig sicherte ich seinen Ansitz mit einer Pflanzenklammer von Novoflex und drehte diesen so, dass die Flügel des Schmetterlings zur Kamera zeigten und ich gleichzeitig einige Flares im Hintergrund hatte“, verrät der Fotograf.
Warum dieses Bild funktioniert

1. Ton in Ton
Die Reduktion auf helle Beigetöne – mit dezenter Unterbrechung durch das Blau und Rot auf den Flügeln des Schwalbenschwanzes – erzeugen eine harmonische Bildwirkung.
2. Diagonalen
Durch die zwei gegenläufig zueinander verlaufenden Diagonalen – Ansitz und Körper des Schmetterlings – entsteht ein optisches Dreieck, das dem Bild Kraft und Ausgewogenheit schenkt.
3. Durchleuchtung
Steht die Sonne am frühen Morgen noch tief über dem Horizont, ist das Licht sanft und sorgt für warme Farben und weiche Kontraste. Durch das Gegenlicht werden zudem die Umrisse des Motivs – die aufgeklappten Flügel – sowie die feinen Strukturen und Härchen von Schmetterling und Pflanze betont.