Gehen Sie mit Mike Grosshanten auf Fotoexkursion durch das Reptilienhaus. Der Fotograf verrät, wie Sie Herausforderungen vor Ort meistern, um Makromomente mit Wirkung einzufangen.

Makrofotografie im Reptilienhaus
Für viele Makrofans stellt ein Besuch im nahegelegenen Reptilienhaus ein absolutes Fotohighlight dar – so auch für Mike Grosshanten: „Nicht jeder hat das Glück, exotische Reptilien oder Amphibien mal in freier Wildbahn fotografieren zu können. Sie im Reptilienhaus wie zum Beispiel dem TerraZoo Rheinberg – meinem zweiten Zuhause – so nah vor die Linse zu bekommen, ist deshalb etwas ganz Besonderes“, sagt der Fotograf und fügt hinzu:
„Aber auch botanische Gärten sind durch ihre vielfältige Vegetation ein Anziehungspunkt für viele Insekten und Kleintiere – und somit auch Makrobegeisterte wie mich.“ Auch wenn die exotischen Motive in Reptilienhäusern und botanischen Gärten (nahezu) auf dem Silbertablett präsentiert werden, bringt das Fotografieren an diesen Orten Herausforderungen mit sich.
Bereits bei der Planung des Besuchs gibt es für Mike Grosshanten ein paar Dinge zu beachten: „Schwimmen Sie bei den Besuchszeiten gegen den Strom! Soll heißen: Gehen Sie nicht zu den Hauptzeiten oder in den Ferien fotografieren, da es sehr voll sein könnte. Im Winter sollten Sie mehr Zeit mitbringen und vielleicht einen Kaffee trinken, bis sich die beschlagene Fotoausrüstung der wärmeren Innentemperatur angepasst hat“, rät der Fotograf.

Zudem gehören Spiegelungen auf den Glasscheiben zum Fotoalltag im Reptilienhaus. „Störende Spiegelungen können durch frontal aufgesetzte Objektive oder Abschatten zum Beispiel mit der Hand oder einem A4 großen Stück Moosgummi gut in Grenzen gehalten werden“, erklärt Mike Grosshanten und erzählt weiter:
„Im TerraZoo Rheinberg gibt es sogenannte Photonights. Im Rahmen dessen bekommen Fotografinnen und Fotografen die Chance, die Tiere ohne Scheiben zu fotografieren. Nach einer Sicherheitseinweisung werden die Tiere von ausgebildeten Tierpflegerinnen und Tierpflegern auf extra dafür vorbereiteten Tischen präsentiert. Alles läuft nach strengen Regeln ab.“
Unterwegs ist Mike Grosshanten im TerraZoo Rheinberg meistens mit zwei Kameras, die er mit einem Cotton Carrier-Tragesystem bequem im Wechsel zum Einsatz bringen kann – eine mit Festbrennweite und eine mit Telezoom ausgestattet.
Grüner Basilisk: Warum dieses Bild funktioniert

Ein grüner Basilisk (Basilikus plumifrons) blickt in die Kamera und hebt die Kralle, als würde er zum Gruß winken. Um diesen schönen Fotomoment im Reptilienhaus TerraZoo Rheinberg nicht zu verpassen, musste Mike Grosshanten schnell handeln: „Ich habe das Tier in dieser lustigen Position gesehen und sofort reagiert.

Eine Sekunde später war der Kleine auch schon wieder weg“, erinnert sich der Fotograf und fügt hinzu: „Manchmal muss man eben auch Glück haben und gut zur Glasscheibe stehen!“ Zum Einsatz kam das Tamron SP AF 180mm f/3,5 DI Macro mit manueller Fokussierung.

1. Entscheidener Moment
Besondere Augenblicke wie diese – erhobene Kralle und Blick in die Kamera – sind meist von sehr kurzer Dauer. Um entscheidende Momente wie diese nicht zu verpassen, hat Mike Grosshanten immer zwei Kameras mit unterschiedlichen Objektiven griff- und schussbereit.
2. Präziser Fokuspunkt
Durch den Einsatz des manuellen Fokus liegt die Schärfe perfekt auf dem Auge und Kopf des Basilisk – dem wichtigsten Bildelement eines jeden Porträts.
3. (Un-)schärfe-Spiel
Um die Echse als Hauptmotiv inmitten der unruhigen Umgebung im Terrarium in den Fokus zu setzen, öffnete Mike Grosshanten die Blende auf f/4,5, wodurch Vorder- und Hintergrund (bei 180mm) in sanfte Unschärfe mit weichen Bokehkreisen verwandelt wurden.
Goldfliege auf rotem Sonnenhut: Warum dieses Bild funktioniert

Es sind nicht nur die exotischen Tier- und Pflanzenmotive, mit denen Sie großartige Aufnahmen erzielen können. Das zeigt auch das Foto dieser herkömmlichen Goldfliege (Lucilia sericata), die sich auf einem roten Sonnenhut (Echinacea purpurea) niedergelassen hat: „Ich fand diese Szene farblich sehr interessant.

Dass die Goldfliege so entspannt auf dem roten Sonnenhut sitzen geblieben ist, hat es mir sehr leicht gemacht, mich ihr trotz Blitz samt Diffusor zu nähern“, berichtet Fotograf Mike Grosshanten und fügt hinzu: „Im Einsatz waren meine Canon EOS 5D Mark IV, das Canon EF 100mm f2.8 L Makro IS USM, ein Makrodiffusor von Pope Shield mit einem Godox MF12 K2-Blitzsystem.“

1. Farbspiele
Das Rot im Auge der Goldfliege findet sich im Blütenkopf des roten Sonnenhuts wieder. Eine schöne Wiederholung – besonders in Zusammenspiel mit dem Komplementärkontrast, der durch das Rot und das Grün des Panzers der Fliege erzeugt wird.
2. Naher Vordergrund
Der Blick der Betrachterinnen und Betrachter wird durch einen nahen – und in Unschärfe getauchten – Vordergrund sanft in das Bild hineingeführt. Dafür ging Mike Grosshanten mit Brennweite 100mm so nah wie möglich an das Motiv heran.
3. Glanz und Kontrast
Durch den Einsatz von weichem Blitzlicht werden der Panzer der Goldfliege sowie feine Details auf dem roten Sonnenhut zum Glänzen gebracht und kontrastreich vor einem schwarzen Hintergrund in Szene gesetzt.
Buschviper: Warum dieses Bild funktioniert

Diese eindrucksvolle Aufnahme einer Buschviper (Atheris squamigera) nahm Mike Grosshanten im Rahmen einer privat gebuchten Fotonacht außerhalb des Terrariums im TerraZoo Rheinberg auf. „An gut ausgeleuchteten Tischen mit schöner Vegetation kann man die Tiere ohne störende Glasscheiben ablichten.
Mein Ziel war es, dem Bild mit der diagonalen Linienführung mehr Tiefe zu geben und die Buschviper vor dem dunkleren Hintergrund freizustellen“, so der Fotograf. Zum Einsatz kam dafür die OM-1 zusammen mit dem Olympus M. Zuiko Digital ED 40–150mm F2.8 PR bei maximal eingestellter Brennweite.

1. Linien- und Lichtführung
Die aufsteigende Diagonale leitet die Augen der Betrachterinnen und Betrachter in das Bild hinein und verleiht dem Foto mehr Tiefe. Die Tiefenwirkung wird zudem durch die Ausleuchtung erzeugt, die für eine plastische Wirkung und ein schönes Licht- und Schattenspiel sorgt.
2. Strukturen im Fokus
Durch den ruhigen und flächigen schwarzen Hintergrund liegt der Brennpunkt der Aufnahme unverkennbar auf dem Kopf der Schlange sowie den feinen Strukturen im Auge und des Schuppenkleids.
3. Harmonische Farbwelt
Sowohl das Schwarz des Hintergrunds als auch das Grün der Pflanze, um die sich die Buschviper schlängelt, finden sich in den Schuppen und in dem Auge der Schlange wieder. Eine Farbwelt, die dem Motiv Harmonie und Ruhe schenkt.

Seine ersten Kamera – eine Minolta XE-1 – hielt Mike Grosshanten bereits im Alter von 14 Jahren in den Händen. Viele Jahre war die Fotografie allerdings nur ein Randthema und mal mehr, mal weniger wichtig. Das änderte sich für den Fotografen nach dem Kauf seiner erste digitale DSLR im Jahr 2012, von da an war kein Motiv mehr vor ihm sicher.
Je weiter Mike Grosshanten in die Fotografie eintauchte, um so mehr wuchsen seine Ansprüche sowie Ausrüstung. Für ihn ist die Fotografie ein ständiger Lernprozess. Sein erlerntes Wissen gibt der Fotograf seit 2018 in Fotoworkshops weiter. Detaillierte Informationen unter: