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So bestimmen Sie die Schärfe im Bild: mit Blende und Fokus

Der gezielte Einsatz von Schärfe und Unschärfe im Bild ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Fotografie. Welche Rolle die Blendenöffnung und Fokussierung dabei spielen, erfahren Sie hier.

Gezielte Schärfe mit Blende und Fokus bestimmen

Neben einem fotogenen Motiv, einer gelungenen Komposition und perfekter Bildqualität bestimmt vor allem der Schärfeeindruck einer Aufnahme darüber, wie eindrucksvoll und fesselnd diese auf uns wirkt.

Überzeugen manche Motive dabei mit knackigen Details von Vordergrund bis Hintergrund, zeichnen sich andere durch das reizvolle Spiel zwischen Schärfe und Unschärfe aus.

Ob alle Elemente im Bild scharf dargestellt werden oder sich ein Hauptmotiv scharf von künstlerischer Unschärfe abhebt, wird unter anderem durch die Blendeneinstellung beeinflusst. Während eine offene Blende eine geringe Schärfentiefe erzeugt – das Hauptmotiv erscheint scharf, während Vorder- und Hintergrund in Unschärfe verschwimmen –, dehnt sich die Schärfentiefe mit geschlossener Blende weit über das Foto aus.

Entscheidend ist dabei auch die Fokussierung. Denn welches Element beziehungsweise welcher Bereich im Bild am schärfsten erscheint, wird über die Position des Fokuspunkts bestimmt. Beim Fotografieren haben Sie die Wahl zwischen automatischer (AF) und manueller (MF) Fokussierung.

Zudem können Sie zwischen verschiedenen AF-Modi wählen und geben Ihrer Kamera je nach Modus somit den Hinweis, wie lange das Motiv anfokussiert werden soll. Welche Fokuseinstellung wann Sinn macht, hängt dabei von der Aufnahmesituation sowie dem Motiv ab – siehe drei Schritte unten rechts.

Damit der Autofokus präzise arbeiten kann, sollte im Kameramenü auch die passende Betriebsart ausgewählt werden. Während Sie für statische Motive mit AF-One-Shot AF/AF-S als Autofokus bestenfalls die Betriebsart Einzelbild aktivieren, empfehlen wir bei bewegten Motiven den AI Servo AF/AF-C-Modus Ihrer Kamera in Kombination mit Reihenbildaufnahme.

Schärfentiefe verstehen

Objektive bestehen aus Linsensystemen, welche die Scharfstellung eines bestimmten Punkts in einem bestimmten Abstand ermöglichen. Bildbereiche, die vor und hinter diesem Punkt liegen, erscheinen unscharf. Allerdings erstreckt sich vor und hinter dem fokussierten Punkt ein Bereich, in dem Bildelemente immer noch ausreichend scharf abgebildet werden.

Dieser Bereich beschreibt die sogenannte Schärfentiefe und kann sich über wenige Millimeter bis hin zu mehreren Kilometern ausdehnen. Wie gering oder groß die Schärfentiefe ist, hängt unter anderem von der Größe des Kamerasensors, der verwendeten Blende, Brennweite und dem Abstand zum Motiv ab.

Je näher sich ein Motiv an der Kamera befindet, umso kleiner ist die Schärfentiefe. Wie gering diese ist, liegt immer auch an der gewählten Brennweite des Objektivs: Bei langen Telebrennweiten ist der Schärfebereich kleiner als bei Weitwinkel.

Die drei wichtigsten Fokus-Modi Ihrer Kamera

1. One-Shot AF/AF-S

Landschaft, Stillleben und mehr: Haben Sie ein statisches Motiv vor Ihrer Linse, ist der AF-Modus One-Shot AF/AF-S (je nach Kamerahersteller) die passende Wahl.

Drücken Sie den Auslöser halb durch, fokussiert Ihre Kamera einmal auf das Motiv und speichert die Einstellung, sobald eine Scharfeinstellung erreicht wurde. Diese Einstellung bleibt bestehen, bis Sie den Auslöser ganz durchdrücken oder erneut fokussieren.

2. AI Servo AF/AF-C

Wildlife & Sport: Ihr Motiv bewegt sich (unkontrollierbar)? Dann sollten Sie den AF-Modus AI Servo AF/AF-C (je nach Kamerahersteller) wählen.

Bei halb durchgedrücktem Auslöser fokussiert Ihre Kamera dann ein sich bewegendes Objekt kontinuierlich an, solange sich dieses unter dem gewählten AF-Messfeld befindet. Zudem ein Muss für „schnelle“ Motive: die automatische Gesichts- und/Augenerkennung.

3. Manueller Fokus (MF)

Schwaches Licht, geringe Kontraste, sehr kleine Motive und Elemente direkt vor dem Objektiv: In Fotomomenten wie diesen fällt es dem Autofokus oft schwer, auf das Motiv scharfzustellen – was sich durch das typische Vor- und -zurückfahren des Objektivs äußert.

Für eine präzise Fokussierung wechseln Sie dann lieber zum manuellen Fokus (MF). Unser Tipp: Verwenden Sie den Live-View-Modus und ein Stativ.

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