Ratgeber

7 Quicktipps für Perspektiven

Eine spannende Perspektive kann aus einem Allerweltsmotiv ein Top-Foto machen. In unserer Serie „Fotoschule“ zeigen wir sieben Aufnahmen, anhand derer wir verschiedene Foto-Perspektiven und deren Bildwirkungen erklären – damit Sie sich beim nächsten Motiv für die richtige Position entscheiden.

Spannende Perspektiven fotografieren

1. Vogelperspektive 

Als Vogelperspektive (s. oben) wird der Blick von oben oder schräg oben nach unten bezeichnet – also bildlich gesprochen: der Ausblick eines fliegenden Vogels, der auf die Erde blickt. Dank der inzwischen geläufigen Drohnenfotografie sorgt diese Perspektive für spektakuläre Bilder – aber auch der Blick vom Balkon oder einem Hochhaus kann spannend sein.

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Als würde ein Adler auf das Geschehen blicken: Die Vogelperspektive zeigt das Motiv von einem sehr hohen Standpunkt aus.

1 | Die Kamera ist hoch über dem Geschehen positioniert. Für die beste Wirkung sollte das zu fotografierende Objekt komplett abgebildet sein, wie hier die Menschen auf der Straße.

2 | Typisch ist die leicht schräge Abbildung des Motivs. Eine Sonderform der Vogelperspektive ist der „Top-Shot“, bei dem sich die Kamera im 90-Grad-Winkel über dem Objekt befindet.

2. Normalperspektive 

Die allgemein geläufigste Kameraperspektive wird als Normalperspektive bezeichnet. „Normal“ definiert sich in diesem Fall ausgehend vom Bildwinkel eines durchschnittlich großen Erwachsenen, der im Stehen durch den Sucher seiner gerade nach vorn ausgerichteten Kamera schaut und den Auslöser betätigt – auf einer Höhe von etwa 160 Zentimetern liegt die durchschnittliche Augenhöhe eines Erwachsenen.

Tatsächlich entstehen die meisten Fotos aus genau dieser Perspektive, weil praktischerweise das abgelichtet wird, was unser Auge (zumindest in diesem Moment) sieht. Unterstützt wird die Normalperspektive von einem Normalobjektiv, also einer Linse mit einer Normalbrennweite.

Diese kommt dem Sichtfeld des menschlichen Auges am nächsten. Durchgesetzt hat sich hier, auch wenn es nicht exakt dem Augen-Bildwinkel entspricht, die 50mm-Brennweite (bei Vollformat), ein Bildwinkel, der in der Fotografie häufig genutzt wird. Ein Stadtbummel ohne Aufnahmen aus der Normalperspektive ist kaum vorstellbar.

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Das Motiv wird aus der Augenhöhe eines Erwachsenen fotografiert.

1 | Kameraposition liegt in Augenhöhe eines durchschnittlich großen Erwachsenen, also etwa bei 160 Zentimetern.

2 | Fotografiert wird mit einem Normalobjektiv, dessen Brennweite von ca. 50mm in etwa unserem Bildwinkel ähnelt (etwa 53 Grad).

3. Zentralperspektive 

Linien im Bild führen zentral zu einem Motiv. Der Vordergrund wird größer dargestellt als der Hintergrund. Es entsteht eine Raumtiefe. Wie so oft in der Fotografie, hat auch die Zentralperspektive ihren Ursprung in der Malerei. Während der Epoche der Renaissance fanden Künstlerinnen und Künstler heraus, dass man mit Hilfe von Linienführung Tiefe und damit Plastizität erzeugen kann.

Indem sie alle Linien im Bild zu einem zentralen Punkt, dem sogenannten Fluchtpunkt geführt haben, erzeugten sie den Eindruck, den auch das menschliche Auge wahrnimmt, wenn wir ein Objekt in der Ferne betrachten: Es wirkt kleiner. Schauen wir auf das nebenstehende Foto: Am Ende des zentral ins Bild laufenden Stegs befindet sich eine Holzhütte, die deutlich kleiner wirkt, als sie in Wirklichkeit ist.

Die Bäume im Vordergrund dagegen sind in normaler Größe dargestellt. Stellen wir uns einen Trichter vor, der mit der Spitze zum Bildmittelpunkt zeigt. Alle Linien treffen sich in etwa auf der Höhe des Horizonts. Durch die Zentralperspektive wird Spannung erzeugt. Man wird förmlich in das Bild hineingesaugt. Außerdem lenkt sie den Blick des Betrachters sofort auf das Hauptmotiv (die Hütte).

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Das Motiv liegt in der Bildmitte. Linien führen darauf zu.

1 | Bei der Zentralperspektive befindet sich die Kamera meist auf Augenhöhe.

2 | Das Hauptmotiv wird dabei in die Bildmitte gesetzt, auf Höhe des Horizonts. Linien führen trichterförmig dorthin.

4. Untersichtperspektive 

Ein sehr tiefer Kamerastandpunkt sorgt für sehr ungewöhnliche Perspektiven und echte Hingucker. Während Bilder aus der Vogelperspektive (siehe Tipp 1) von einem erhöhten Standpunkt aus aufgenommen werden, dreht sich der Effekt bei einer untersichtigen Perspektive quasi um.

Die Kamera befindet sich hier ganz tief, praktisch auf dem Boden und blickt nach oben. Besonders hohe Gebäude, wie ein Turm oder ein Hochhaus, aber auch Bäume können so noch imposanter abgebildet werden. Allerdings verzerrt diese Perspektive enorm. Der untere Teil des Leuchtturms wirkt riesig.

Gerne wird die untersichtige Perspektive auch „Froschperspektive“ genannt. In unserem Fall trifft dieser nicht ganz zu. Würde man die Kamera auf den Boden legen und nur leicht nach oben kippen, hätten wir die Froschperspektive eingenommen.

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Bei dieser Perspektive wird von unten nach oben fotografiert.

1 | Der Kamerastandpunkt ist sehr tief. Oft wird auch von der „Froschperspektive“ geredet. Allerdings wäre die Kamera dann nur leicht nach oben gekippt und man würde auch den Boden sehen.

2 | Bei einer extremen Untersicht wie dieser wirkt das Motiv noch imposanter, als es vielleicht schon ist. Die Größenverhältnisse sind dadurch stark verzerrt.

5. Fischaugenperspektive 

Mithilfe der Fischaugenperspektive gelingen Aufnahmen mit einem übergroßen Bildwinkel. Haben wir bei der Normalperspektive (Tipp 2) von einem Normalobjektiv gesprochen, das einen Bildwinkel wiedergibt, der dem menschlichen Auge ähnelt, wird bei der Fischaugenperspektive ein Weitwinkelobjektiv eingesetzt.

Damit wird der Bildwinkel deutlich vergrößert. Extrem sind sogenannte Fischaugenobjektive mit einer Brennweite unter 20mm und einem Bildwinkel über 180 Grad. Typisch für die besondere Ästhetik dieser Objektive sind die stark gebogenen Geraden, die sie erzeugen.

Die Fischaugenperspektive schafft es, ein Motiv aus nächster Nähe zu fotografieren und trotzdem die Umgebung fast vollständig zu erfassen – wie in unserem Beispiel das schwimmende Schwein und den Strand auf den Bahamas.

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Extreme Bildwinkel sind mit der Fischaugenperspektive möglich.

1 | Die Fischaugenperspektive ist extrem. Es werden spezielle Objektive benötigt, mit Brennweiten unter 20mm und einem Bildwinkel über 180 Grad.

2 | Selbst wenn sich die Kamera nah am Objekt befindet, kann noch sehr viel vom Hintergrund abgebildet werden. Allerdings biegen sich gerade Linien – hier gut am Horizont zu erkennen.

6. Panorama-Perspektive 

In der Fotografie werden Panoramen angewendet, um mehr zeigen zu können, als es der menschliche Blickwinkel erfassen könnte. Dafür werden aber mehrere Aufnahmen benötigt. Stellen wir uns eine Landschaft irgendwo im Gebirge vor. Beim Rundumblick auf die Berge, Wiesen und Täler fällt mit Sicherheit der Satz:

„Was für ein schönes Panorama!“

Indem wir den Körper oder auch nur den Kopf horizontal drehen, können wir die ganze Szenerie erfassen. Durch die Kamera betrachtet, kommt dann aber die Ernüchterung – ein Normalobjektiv zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Landschaft und ein Weitwinkelobjektiv verzerrt die Horizontlinie enorm, sodass es unnatürlich wirkt. Genau hier hilft die Panoramaperspektive, bei der mehrere Fotos erstellt werden müssen, die später mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms zu einer Aufnahme verrechnet werden.

Manche Kameras bieten auch Motivprogramme, die ein Panorama direkt in der Kamera erstellen können. Bei einem Panorama wird die Kamera Stück für Stück um ihre Achse gedreht. Die dabei aufgenommenen Bilder ergeben anschließend ein gesamtes Bild. Profis arbeiten mit speziellem Equipment, um möglichst präzise Ergebnisse zu erzielen.

Man kann aber auch mit verhältnismäßig geringem Aufwand ein Panorama erstellen, indem man die Kamera auf ein Stativ stellt und den Stativkopf bewegt. Ohne ein Stativ wird es sehr schwierig, ein scharfes Panorama zu fotografieren. Wichtig dabei ist, dass sich die Fotos immer ein wenig überlappen (in etwa 30 Prozent).

Außerdem sollte sich die Horizontlinie (bei einem Querformat) nicht verschieben. Darüber hinaus müssen die Kameraeinstellungen bei jedem Foto gleich bleiben. Ein weiterer Tipp: Fotografieren Sie im Hochformat. Damit lassen sich auf jeden Fall die besten Ergebnisse erzielen. Panorama-Aufnahmen besitzen ein besonderes Seitenverhältnis. Klassischerweise ist eine Seite der Aufnahme dreimal länger als die kürzere Seite, wie in unserem Bildbeispiel unten.

Man spricht von einem Verhältnis von 3:1. In der Regel nutzt man ein Querformat, es gibt aber auch Panoramen, die hochformatig ausgerichtet sind. Richtig angewendet können sich Panoramen wirklich sehen lassen und eröffnen im wahrsten Sinne des Wortes neue Perspektiven.

Auf einem Foto ist nun viel mehr abgebildet, als es das menschliche Auge auf einmal erfassen könnte. Das macht die Panorama-Perspektive so besonders. Ausprobieren lohnt sich.

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Weite Landschaften eignen sich gut für ein Panoramafoto. Aber auch in der Stadt passt die Perspektive.

1 | Bei einer Panoramaaufnahme wird die Kamera geschwenkt. Der Bildwinkel ähnelt der Fischaugenperspektive, nur verzerren die Linien im Bild nicht.

2 | Idealerweise ist der Blick auf das Geschehen leicht erhöht. Auch sollte es einen Fixpunkt für das Auge geben, wie hier der Berggipfel. Mindestens vier Fotos werden bei einer Panoramaaufnahme später ineinander gerechnet.

7. Zwei-Punkt-Perspektive 

Unsere Aufmerksamkeit kann geschickt auf ein bestimmtes Motiv gelenkt werden, wenn zwei Fluchtlinien davon abgehen. Dabei müssen nur ein paar kompositorische Tricks beachtet werden. Unser letzter Tipp klingt technischer, als er ist. Lassen Sie sich also nicht abschrecken!

Bei der Zwei-Punkt-Perspektive sprechen wir nicht wie bei Tipp 3 von einem Fluchtpunkt, sondern von gleich zwei Fluchtpunkten. Nehmen wir unser Bildbeispiel oben und betrachten die Komposition der Aufnahme. Dabei fällt auf, dass die Kirche im Bild mittig platziert wurde. Entscheidend ist, dass wir nicht frontal auf das Gebäude schauen, sondern auf die Ecke der Kirche blicken. Die senkrechte Vorderkante des Gotteshauses bildet hierbei die Bildmitte.

Links und rechts der Kirche laufen im Winkel von etwa 90 Grad zwei Straßen ab und verschwinden am Horizont. So entstehen die Fluchtpunkte der Aufnahme und geben der Perspektive ihren Namen: Zwei-Punkt-Perspektive, oder auch Übereckperspektive genannt. Alle Häuser entlang der beiden Straßen verkleinern sich rein optisch deutlich, je näher sie sich am Fluchtpunkt befinden – bzw. vergrößern sich optisch, je näher sie der Kirche sind.

Und das ist die Idee dieser Perspektive: Die Linienführung ist so ausgerichtet, dass der Blick zweifelsohne auf das Hauptmotiv gelenkt wird. Mit dieser sehr grafischen Komposition können interessante Effekte entstehen. Um die bestmögliche Wirkung zu erzielen, wählen Sie einen erhöhten Standpunkt.

Auch bedarf es eines Objektivs mit einer kürzeren Brennweite. Vor allem in der Architekturfotografie wird diese Form der Bildkomposition gerne angewendet. Versuchen Sie aber auch, z. B. eine Person so zu platzieren, dass zwei Fluchtlinien von ihr abgehen.

Warum funktioniert das Foto so gut? 

Bei der Zwei-Punkt-Perspektive gibt es zwei Fluchtpunkte im Bild. Die Linien laufen auf das Objekt zu.

1 | Die Kamera zeigt von einem erhöhten Standpunkt aus auf die Eckseite des Gebäudes, in der Bildmitte. Zwei Straßen laufen links und rechts zum Rand und bilden die Fluchtpunkte.

2 | Ein ideales Motiv für die Zwei-Punkt- Perspektive ist diese Kirche, die sich an der Ecke zweier großer Straßen befindet. Unser Blick wird durch die Linienführung im Bild direkt auf das Gotteshaus gelenkt.

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