Ratgeber

Kreative Tierfotografie mit Matt Engelmann

Profi Matt Engelmann zeigt, was zur kreativen Tierfotografie benötigt wird. Nutzen Sie das weiche Licht und die unvergleichbare Stimmung der Herbstzeit, um tierische Wald-, Wiesen- und Bergbewohner in fesselnden Aufnahmen mit kunstvoller Note festzuhalten.

Kreative Tierfotografie

Der Herbst ist eine Jahreszeit für die ganz besonderen Lichtverhältnisse und Farben und eignet sich somit perfekt für einen Fotoausflug in die Natur – zum Beispiel, um ihre wilden Bewohner eindrucksvoll ins Bild zu setzen. Die tief stehende Sonne, das weiche Licht und die herbstliche Blattverfärbung bieten zahlreiche Möglichkeiten für die kreative Tierfotografie:

Von nahen Charakterporträts mit Bokehrahmen bis hin zu kunstvollen Silhouettenbildern mit magischem Licht. Darüber hinaus sind wilde Tiere im Herbst besonders aktiv: So wagen sich zum Beispiel Eichhörnchen und Füchse auf der Suche nach Nahrung öfters aus ihren Verstecken. Grundsätzlich macht es Sinn, sich im Vorfeld über die typischen Verhaltensweisen Ihres Wunschmotivs zu informieren:

Zu welcher Tageszeit ist das Tier unterwegs? Wo hält es sich bevorzugt auf? Was frisst es gerne? Die Rotfüchsin im Bild rechts zum Beispiel kennt Matt Engelmann bereits seit 2020, als er sie als Jungtier zum ersten Mal an ihrem Fuchsbau beobachtete.

Um ausreichend Abstand zu Wildtieren halten zu können, darf das Teleobjektiv auf dem Ausflug in den Herbstwald nicht fehlen. Da sich wilde Tiere schnell bewegen, sollten Sie außerdem stets auf kurze Verschlusszeiten achten. Bei schwachem Licht – wie zum Beispiel im Wald oder am frühen Morgen – erzielen Sie diese, indem Sie so offenblendig wie möglich fotografieren.

Magischer Wald – Fotos von Profi Matt Engelmann 

Für diese malerische Aufnahme eines Eichhörnchens positionierte Matt Engelmann ein Stativ samt 400mm-Teleobjektiv nah am Waldboden und fokussierte manuell – mit Offenblende für maximale Unschärfe – durch eine schmale Lücke zwischen Heidekräutern und Tannenästen nah am Objektiv.

Sein Fokuspunkt: eine Stelle, an der er zuvor eine Nuss platzierte – in der Hoffnung, einer der rotbraunen Waldbewohner würde sich für diese interessieren. Als dann tatsächlich ein flinkes Eichhörnchen in dem vorausgewählten Bildausschnitt auftauchte, blendete der Fotograf eine Blendenstufe ab, um es als Silhouette im leichten Gegenlicht abzulichten.

Geduld, Ausdauer und Aufmerksamkeit 

Wilde Tiere sind in der Regel nicht ganz einfach zu finden. Diese Füchsin „studierte“ Matt Engelmann bereits lange Zeit, bevor es zu einem Fotomoment wie diesem kam. Immer wieder näherte er sich ihrem Unterschlupf aus weiter Entfernung, um sie ab und an in der Dämmerung zu erhaschen. Ein kurzer Augenblick und Augenkontakt – dann war die junge Füchsin auch schon wieder im Dickicht des Waldes verschwunden.

Porträt einer alten Bekannten

Diese fotogene Fuchsdame beobachtet Matt Engelmann seit rund zwei Jahren. Durch zunehmende Kontakte mit den Ortsansässigen in der Gegend Graubünden in der Schweiz erhielt der Fotograf viele wertvolle Hinweise hinsichtlich der hiesigen Tierwelt:

„Zum Zeitpunkt dieses Porträts hatte die junge Fähe gerade sieben Welpen aufgezogen. Ich kannte ihr Revier und bestimmte Markierungspunkte inzwischen gut, sodass ich sie an diesem Abend im Wald im Licht der tiefstehenden Sonne fotografieren konnte“, erzählt Matt Engelmann.

Um die junge Füchsin dabei aus sicherer Entfernung bildfüllend zu porträtieren, verwendete der Fotograf die Canon EOS R5 in Kombination mit dem Superteleobjektiv Canon EF 400mm f/2.8L IS II USM. Zudem legte er sich – komplett in grüne Kleidung gehüllt – für die bestmögliche Tarnung flach auf den Boden und auf Augenhöhe mit dem scheuen Tier.

Durch die maximale Offenblende von f/2,8 erhielt der Schweizer eine schnelle Verschlusszeit von 1/320s und konnte den kurzen Augenblick somit frei aus der Hand knackscharf einfangen. Zudem verwandelten sich die Gräser und Pflanzen zwischen Objektiv und Füchsin sowie die Gegenlichtpunkte im Hintergrund dadurch in ein stimmungsvolles und leuchtendes Bokeh.

Sonne nach dem Regen

Diese zauberhafte Silhouettenaufnahme entstand an einem frühen Oktobermorgen in den Vogesen. „Die Idee war, Gämsen im Morgen- und Abendlicht zu fotografieren“, erinnert sich Matt Engelmann und erzählt weiter: „In der Nacht zuvor regnete es und so präsentierte sich mir in den Bergen am nächsten Morgen ein magisches Bild: ein Gämskitz umgeben von nassem und im Morgenlicht glitzernden Heidekraut.“

Zum Fotografieren verwendete der Fotograf das Superteleobjektiv Canon EF 400mm f/2.8L IS II USM bei Offenblende, blendete zwei Stufen ab und nahm eine tiefe Aufnahmeposition ein, wodurch die schönen Bokehkreise außerhalb der Schärfeebene entstanden.

Der Fotograf

Sie möchten Matt Engelmann auf seiner fotografischen Reise begleiten? Hier finden Sie weitere Informationen und Aufnahmen: Instagram @matt.engelmann

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