Reisefotografinnen und -fotografen haben es schwer. Sie müssen wohl oder übel mit dem Klischee leben, das ganze Jahr lang Urlaub zu machen. Der Australier Richard I’Anson gibt uns einen Einblick, wie das Leben eines erfolgreichen Reisefotografen wirklich aussieht.

Reisefotograf Richard I’Anson im Interview
Richard l‘Anson lebt den Traum vieler Fotografinnen und Fotografen. Als Reisefotograf hat er die Möglichkeit, die schönsten Orte unserer Erde zu besuchen. Er entscheidet, wohin ihn sein nächstes Projekt führen soll. Ist die Reisefotografie wirklich so romantisch, wie sie auf den ersten Blick erscheint? Woher kommen die Aufträge? Wir haben den Australier über sein Leben als reisender Fotograf befragt und erfahren, dass seine Aufnahmen aus aller Welt in erster Linie Bildredakteure überzeugen müssen.

Richard I’Anson hat seine zwei Leidenschaften, das Reisen und die Fotografie, zum Beruf gemacht. Der Australier bereist seit über 30 Jahren die Welt. Auf allen sieben Kontinenten hat er seither Bilder gesammelt, die in internationalen Magazinen, Broschüren, Kalendern und sogar auf Briefmarken abgedruckt wurden.
Daneben hat Richard elf Bücher veröffentlicht, darunter den Lonely Planet’s Guide to Travel Photography. Er wird von der Agentur Getty Images vertreten. Seine Aufnahmen finden Sie online unter:
www.richardianson.com | Instagram: @richianson
DigitalPHOTO: Richard, erinnerst du dich noch an das erste Land, das du bereist hast?
Richard I’Anson: Selbstverständlich erinnere ich mich. Meine erste Reise führte mich auf die Fidschi-Inseln. Ich war damals so aufgeregt, dass ich nicht wusste, was ich alles an Fotoausrüstung mitnehmen sollte. Als Konsequenz habe ich einfach alles eingepackt, was ich damals hatte: zwei analoge Spiegelreflexkameras mit insgesamt fünf Objektiven, dazu noch eine Mittelformatkamera mit noch einmal zwei Linsen.
Heute bist du Profi-Reisefotograf, ein Traum vieler. Wie hat deine Karriere begonnen?
Als ich mit 16 meine erste Kamera in den Händen hielt, wusste ich, dass ich Fotograf werden wollte. Mit 21 habe ich dann begonnen, für Freunde Hochzeiten zu fotografieren. Bald danach hatte ich mein erstes Studio, spezialisierte mich auf Porträt- und Hochzeitsfotos und stellte für mich einen Fünfjahresplan auf.
Wie sah dieser Plan aus?

Mein Ziel war es, genügend Geld anzusparen, um losziehen zu können und mir eine erste kleine Ansammlung an Reisefotografien aufzubauen. Also begann ich, sieben Monate lang quer durch meine Heimat Australien und Umgebung zu reisen. Danach schloss ich mein Studio und dehnte meine Reisen weiter aus.
Für zwei Jahre begab ich mich nach Asien, um dort zu fotografieren. Als ich anschließend wieder nach Hause kam, hatte ich ein recht umfangreiches Portfolio angehäuft, mit dem ich mich schließlich bei verschiedenen Bildredaktionen bewarb.
Ist das deiner Meinung nach der Weg, um eine Karriere als Reisefotograf zu starten?
Ich würde sogar behaupten, dass es der einzige Weg ist, um beruflich als Reisefotograf zu arbeiten. Entscheidend ist es letztlich, Zeit und Geld zu investieren, um sich ein eigenes Archiv an hochwertigen Fotos aufzubauen.
Heißt das, dass du weniger von Aufträgen als von deinen Stock-Reisefotos lebst?
Richtig! Ich bekomme eigentlich nie Aufträge, sondern biete meine Aufnahmen über meine Agentur Getty Images an. Das ist sicherlich ein rein spekulatives Verfahren, denn ich muss immer hoffen, dass die Bilder auch tatsächlich lizenziert werden und sich verkaufen. Auf der anderen Seite habe ich so eben absolute Freiheit und kann reisen, wohin ich möchte. Allerdings behalte ich immer im Hinterkopf, welche Art von Fotos Agenturen mögen.
Wie viele Tage im Jahr bist du auf Reisen?

Über das Jahr verteilt bin ich in etwa zwischen 90 und 120 Tagen unterwegs.
Mit welchem Equipment bist du unterwegs?
Im Prinzip nutze ich für jede Reise dieselbe Ausrüstung. Dabei muss sich mein Equipment nach den verschiedenen Aufnahmebedingungen richten, die mir begegnen. Vor allem soll es mir die Freiheit geben, schnell unterschiedliche Motive zu fotografieren. Das Hotel verlasse ich daher eigentlich nie mit nur einer Kamera, sondern habe immer zwei DSLRs dabei.
Eine Canon EOS- 1D X Mark III ist dabei meist mit einem 16–35mm oder 24–70mm, die andere mit einem 70–200mm bestückt. Das Stativ, das 200–400mm-Objektiv und das Blitzgerät nehme ich nur mit, wenn ich weiß, dass ich sie für bestimmte Aufnahmen benötige. Alle Bilder werden in RAW aufgenommen.
Häufig stellt sich die Frage, wie man auf Fremde zugeht, um sie zu fotografieren. Wie sehen deine Erfahrungen aus?
Aus mehreren Gründen ist es wichtig, Personen für Porträtfotos vorab zu fragen. Zum einen ist es einfach unhöflich, nicht zu fragen. Zum anderen bleibt mir so viel mehr Zeit, das Foto richtig zu komponieren. Auch besteht dann erst die Möglichkeit, mit der Person zu kommunizieren und eine Aufnahme eventuell zu wiederholen.
Ich plane das Bild bereits, bevor ich mich der Person nähere. In dieser kurzen Zeit überlege ich mir einen Ausschnitt und mit welchem Objektiv ich fotografieren werde. Soll es ein bildfüllendes Porträt werden oder möchte ich die Umgebung miteinbeziehen? Hoch- oder Querformat? Auch achte ich auf die Lichtrichtung. Diese Beobachtungen entscheiden, wie ich mich sofort richtig positioniere.
Versuchst du also, all deine Gedanken schon vor dem Foto zu kanalisieren?

Wenn ich genau weiß, was ich möchte und nicht erst vor der Person anfange, über die Aufnahme nachzudenken, minimiere ich die Aufmerksamkeit auf das, was ich tue. Mein Gegenüber bleibt entspannt und verstellt sich nicht. Das Ziel ist ja, ein natürliches Porträtfoto zu erstellen.
Nach der Aufnahme macht es mir großen Spaß, die Fotos den Leuten gleich auf dem Kameradisplay zu zeigen. Ich finde, das ist eine schöne Art, sich zu bedanken. Außerdem bleibt so hoffentlich ein positiver Eindruck von der Begegnung mit mir zurück.
Sicherlich reist du die meiste Zeit allein. Gibt es Einsamkeit in deinem Beruf?
Für mich gibt es die nicht, es ist ja schließlich genau das, was ich mir ausgesucht habe: allein die Welt zu bereisen. Ich glaube sogar, dass nur, wer allein unterwegs ist, konstant gute und originelle Motive findet. Um jahrelang als Reisefotograf zu arbeiten, braucht es aber sicher einen gewissen Charakter.
Man sollte nicht anfällig für Einsamkeit sein und auch nicht schnell Angst bekommen. Ich reise mit klaren Vorstellungen, da bleibt wenig Zeit für einsame Stunden.
Warst du schon in gefährlichen Situationen?
Nein, ich war zum Glück noch in keine nennenswert gefährliche Situation verwickelt. Das Gefährlichste, was mir bislang begegnete, sind verrückte Autofahrer auf übervollen Straßen – die gibt es leider auf der ganzen Welt.
Was ist deiner Meinung nach der größte Irrglaube über den Beruf des Reisefotografen?
Dass nur, weil irgendein Ort als so etwas wie ein „Paradies für Fotografinnen und Fotografen“ beschrieben wird, jeder, der eine Kamera besitzt, auch mit großartigen Bildern nach Hause kommen würde.
1. Erkundigen Sie sich vor der Reise über das Ziel. Achten Sie auf besondere Gegebenheiten vor Ort wie Klima, Religion oder mögliche Konflikte.
2. Überlegen Sie vorab, welche Sehenswürdigkeiten Sie fotografieren möchten. Wer spontan reist, wird auch Motive finden, aber länger suchen.
3. Reisen Sie mit leichtem Fotogepäck. Ein guter Fotorucksack mit Regenschutz und Laptopfach ist empfehlenswert.
4. Weniger ist mehr: Ein lichtstarkes Zoomobjektiv und ein Kamerabody reichen meist aus. Unbedingt sollte ein leichtes, stabiles Stativ miteingepackt werden.
5. Sichern Sie Ihre Aufnahmen am besten noch vor Ort. Nichts ist ärgerlicher als versehentlich gelöschte Bilder.