News

„Ich persönlich mag das inszenierte und gestellte Bild. Da inspirieren mich die gemalten Porträts der alten Meister.“ – Lars Laion im Interview

Lars Laion hat Persönlichkeiten vor der Kamera, die das Rampenlicht kennen – und doch braucht es jede Menge Feinfühligkeit, um seine Protagonistinnen und Protagonisten ins rechte Licht zu rücken. Dabei überlässt der Kölner Fotograf nichts dem Zufall. Er plant seine Bilder und das Licht sehr genau.

Porträtfotograf Lars Laion im Interview

Noch immer scheuen viele Fotografinnen und Fotografen Kunstlicht wie der Teufel das Weihwasser. Dabei kann es ein großer Segen sein – denn eine künstliche Lichtquelle lässt das Licht exakt so werfen, wie es der- oder diejenige hinter der Kamera gerne möchte. Auch verändert es sich nicht wie Tageslicht. Wir haben uns mit Lars Laion unterhalten, der uns erklärt, warum und wie er sein Licht einsetzt und wie er überhaupt dazu gekommen ist, Porträts bekannter Personen zu erstellen.

DigitalPHOTO: Auf Ihrer Website schreiben Sie: „Fotografie ist das Arbeiten mit Licht“. Wie wichtig ist das Licht für Ihre Bilder?

Lars Laion: Licht ist die wichtigste Essenz in den meisten meiner Bilder. Mit der Beleuchtung des Motivs erschafft man Emotionen beim Betrachter. Das kann das perfekte Licht sein, das man vorfindet, aber in den meisten Fällen ist es das, was man selbst erschafft – auch bei Available Light will ich die Kontrolle über den Look behalten, daher setze ich auch bei natürlichem Licht gerne zusätzlich eine Lichtquelle ein, damit es nicht flach wirkt.

Sie haben in der Filmbranche gearbeitet. Kam daher das Verständnis für den Umgang mit Licht?

Ja, ich habe mein Verständnis für Beleuchtung bei Kameramännern und Oberbeleuchtern beim Film gelernt. Da gab es kein Photoshop, was alles rettete, oder die Zeit, auf natürliches Licht zu warten. Filter waren aus Glas und Retusche die Arbeit der Maskenbildner. Aber das Licht war es, was die Stimmung erschuf. Deswegen: Wenn ich wählen müsste zwischen einer bestimmten Kamera oder dem Equipment für Licht, würde ich mich immer zuerst für das Licht entscheiden.

Was macht ein gutes Porträtfoto für Sie aus?

Das ist eine fast nicht beantwortbare Frage. Für mich ist es, neben dem Licht irgendwie Pathos einzubringen: in einem Blick, in der Inszenierung oder in Details. Ich habe so gut wie keine Bilder, außer bei meiner Street Photography, die nicht inszeniert sind, denn ich mag das inszenierte, gestellte Bild. Da inspirieren mich die gemalten Porträts der alten Meister.

Lassen Sie uns ein paar Schritte zurückgehen: Wann hatten Sie zum ersten Mal eine Kamera in der Hand?

Mit Fotografie habe ich mich erst auf der Schule für Grafikdesign auseinandergesetzt. Zeichnen war meine eigentliche Leidenschaft, aber der Unterricht reduzierte es dann auf langweiliges Leiden. Doch dieses eine Fach mit Fotografie und Dunkelkammer zeigte mir eine neue Welt. Also schmiss ich hin und ging direkt in die Fotoassistenz über.

Es gab dann noch eine Unterbrechung durch den Zivildienst und anschließend suchte ich mir den besagten Job beim Film. Anfang 2000 begann ich wieder, zu fotografieren.

Wann folgte der Entschluss, damit Geld zu verdienen?

Das kam fließend. Irgendwann hatte ich zwei Berufe und es wurde anstrengend. In der Woche drehen und in Drehpausen oder am Wochenende die Fotografie.

Was waren Ihre ersten Aufträge?

Mal hier und da kleine Jobs von Leuten, die erfuhren, dass ich als Fotoassistent gearbeitet und meine kleine, aber anscheinend brauchbare Mappe gesehen hatten. Aber da war ich noch nicht auf Porträts spezialisiert. Auch mal Häuser oder Gegenstände.

Wie sind Sie dann zur Porträtfotografie gekommen?

Das passierte auch alles über die Arbeit beim Film. Ich machte dort häufig Bilder und zeigte die Resultate – das sprach sich irgendwie rum. Dann kamen Empfehlungen von Filmkollegen dazu und Schauspieler fragten mich nach Fotos für ihre Agenturen oder Zeitungsartikel. Zu der Zeit wurde ich auch an Musiklabels empfohlen, um dort die CD-Cover zu machen. So hatte ich schnell den Ruf des Porträtfotografen.

Sie fotografieren heute bekannte Persönlichkeiten. Wie groß ist bei Ihnen der Respekt, die Anspannung?

Durch die Jahre beim Film war ich daran gewöhnt, mit Schauspielern täglich zu arbeiten. Dann ist es irgendwann ein normaler professioneller Umgang. Das A und O ist die Kommunikation. Das bedeutet: klare Ansagen zu Umbauzeiten oder was man braucht. Außerdem ist es wichtig, nicht vorzuspielen, wie ein Bild sein soll.

Das können Schauspieler von Berufswegen viel besser. Ich habe den Weg gefunden, Filmbeispiele zu erwähnen oder Rollenmöglichkeiten zu umschreiben. Das können professionelle Schauspieler sofort umsetzen in ihrer eigenen Art.

Machen Sie sich vorab ein Konzept oder überlegen Sie spontan, wie Sie fotografieren?

Meist habe ich schon geplant, was passieren soll, und überlegt, welchen Stil und Look ich erreichen will. Ich fange mit einfachen, klaren Porträts an, sodass der Schauspieler oder Musiker die Möglichkeit hat, sich an das Shooting zu gewöhnen. Für viele Künstler ist Fotografieren unangenehm.

Sie sind zwar Rampenlicht gewöhnt, aber dann in ihrem Metier. Im Fotostudio ist das alles oft nicht gegeben. Deswegen ist es umso wichtiger, am Anfang erstmal Vertrauen aufzubauen. Spontane Shootings kann man eher am Ende, oder wenn man jemanden schon kennt, machen. Sozusagen wenn der Portätierte in Spiellaune ist.

Wann und warum entscheiden Sie, ob Sie ein Foto in Schwarzweiß umwandeln?

Ich entscheide mich schon in der Planung für den Look. Meistens in Farbe, aber da ich häufig bei den ersten Testbildern ein Schwarzweiß-Preset benutze, um den Kontrast besser zu bestimmen, kann es sein, dass ich mich vor Ort umentscheide.

In Zeiten von RAW ist das aber alles nicht mehr so wichtig. Allerdings finde ich schon, dass das Licht unterschiedlich gesetzt werden sollte für Farbe oder Schwarzweiß.

Warum ist das so?

Kontrastreiche Bilder sind einfacher in Schwarzweiß zu realisieren – auch vom Lichtaufbau. Natürlich habe ich mich auch schon mal in der Postproduktion umentschieden. Aber das ist eher die Ausnahme oder war dann auf Wunsch.

Sie fotografieren gerne mit Leica – warum?

Ich habe lange mit Mittelformatkameras gearbeitet von Pentax und Phase One, nachdem das Kleinbild gefühlt irgendwie langweilig wurde. Ich liebte den Look, der direkt aus der Kamera kam, aber die großen Objektive und Bodys waren schon anstrengend zu transportieren.

Auf der anderen Seite hatte ich eine Leica M8 mit einem Summicron 35mm aus den siebziger Jahren und es kamen so tolle Farben dabei raus. Als dann die Leica SL2 auf den Markt kam und ich die Resultate sah, aber auch das Design mich abholte, war es endgültig um mich geschehen. Eine Kamera ist ein Werkzeug, das man viel Zeit in der Hand hat.

Dann sollte es einen auch ansprechen und gefallen. Dazu kam: Ich war immer davon genervt, dass ich mit einer neuen Kamera erstmal all die vielen Funktionen finden und ausschalten musste, um so zu fotografieren, wie ich es gelernt hatte. Eine Leica kommt mit ein paar Knöpfen aus und sie sind richtig und logisch belegt.

Das sind Fotoapparate für Bildermacher.

Welche Leica ist Ihre liebste?

Meine liebsten Leicas sind die analoge M7 und die digitale M10. Die habe ich beide fast immer dabei. Minimalistische Perfektion. Ich glaube, man braucht auch im Leben nur zwei Objektive. Eines, was die Geschichte erzählt, weitwinklig, und eines, was die Seele zeigt, also leicht telig.

Im Moment sind das für mich ein Summicron 28mm und ein Tele-Elmar 135mm. Ich glaube, das ist aus dem Jahr 1967.

Aber da alle M-Objektive von Leica klein und handlich sind, habe ich dann auch mal mehr mit. Ich benutze aber auch gerne mal das Sigma Art Objektiv 85mm F1,4 an der Leica SL2.

Welches Licht-Equipment nutzen Sie?

Ich benutze gerne Blitze von Elinchrom aus der Schweiz, weil sie schon früh ein Feature hatten, welches ich so nicht direkt bei anderen Herstellern gesehen hatte. Fast genau in der Mitte führt durch die Blitzröhre ein Loch für das Gestänge eines großen Reflektorschirms und für Deflektoren. So konnte ich genau mittig blitzen und nur durch den Abstand das Licht fokussieren oder weicher machen. Auch finde ich, dass sie viele Features in ihren Blitzköpfen einfügen, die hilfreich sind. Da ich meistens weniger nur mit Softboxen arbeite, sondern hauptsächlich mit großen Rahmen und Diffusor-Bespannungen, und dadurch blitze, brauche ich auch keine besonderen Lichtformer. Die großen Rahmen machen ein wundervolles, weiches, flächiges Licht, was einen filmischen Look erschafft.

An welches Shooting erinnern Sie sich besonders gern zurück?

Jedes Shooting mit Mirja Boes. Das ist jedesmal irgendwie familiär, aber auch schräg. Da gibt es mal Eierlikör und es wird viel gelacht. Mirja ist ein sehr entspannter Mensch, der für jeden Unsinn zu haben ist.

Wen möchten Sie gern noch fotografieren?

Armin Rohde. Wir haben das eigentlich schon länger vor, aber fanden nie die Zeit. Er ist ein super Typ und auch ein Fotograf. Ich hatte ihn bei Dreharbeiten kennengelernt und seitdem wollten wir immer mal zusammen Bilder machen. Ich glaube, da kommt am Ende was Besonderes raus.

Zum Schluss noch die Frage nach der Bildbearbeitung. Sie schreiben auf Ihrer Website, dass die digitale Bildbearbeitung einem Foto „nur noch der Perfektion dient“ – wie sehr setzen Sie die Bildbearbeitung ein?

Ich denke, ein Bild entsteht vor Ort an der Location. Dort will ich schon zu mindestens neunzig Prozent den Look haben, um dann in der digitalen Dunkelkammer später am Rechner nur noch das Nötigste zu veredeln: Farben etwas anpassen, ein bisschen die Kontraste verfeinern und die Retusche am Hautbild.

Mir reichen fast immer die Grundeinstellungsregler bei Lightroom. Unter uns: Das liegt auch daran, dass ich zu faul war, mich in die vielen anderen Möglichkeiten einzuarbeiten. Ich habe mir mal ein großes Paket mit Presets gekauft und seitdem ignoriert. Auch besitze ich dicke Fachliteratur, die ich neuwertig wieder verkaufen könnte.

Manche Bilder, die ich von professionellen Bildbearbeitern auf Kundenwunsch bearbeiten ließ, haben mich schon fasziniert, aber auch mal dazu veranlasst, anhand des Originals noch mal zu überprüfen, ob es wirklich mein Bild ist.

Lars Laion

Lars Laion wurde 1974 in Köln geboren. Er besuchte eine Schule für Grafikdesign, verließ diese aber frühzeitig, wurde Foto- und Kameraassistent und begann nach seinem Zivildienst in der Filmbranche zu arbeiten.

Zu Beginn der 2000er-Jahre fing Laion wieder an, selbst zu fotografieren. Er hat jahrelang Fotos für das Musik-Label Selfmade Records erstellt und in diesem Rahmen viele Cover gestaltet. Darunter diverse Top-1- und Top-10-Cover.

www.larslaion.com

Lesetipp

„Ich arbeite nicht mit Fotofallen. Meine Kamera lege ich nicht aus der Hand.“ – Top-Fotografin Marina Cano im Interview

Wilde Tiere zu fotografieren, macht man nicht einfach mal so – insbesondere nicht, wenn es sich um Raubkatzen oder wilde Elefanten handelt.... mehr

Mehr zum Thema