Das Portfolio von Carsten Velten zeigt das Siebengebirge im Wandel der Jahreszeiten. Zur Waldfotografie kam er zunächst aus pragmatischen Gründen, die Naturkulisse fesselte ihn jedoch schnell und nachhaltig. Im Interview erzählt der Fotograf von seiner Intention und Arbeitsweise.

Carsten Velten im Interview: Mystischer Wald
Carsten Velten ist regelmäßig in den Wäldern des Siebengebirges zum Fotografieren unterwegs. Immer wieder entdeckt er dabei neue Fotospots oder hält bereits vertraute Orte noch mal im Mantel einer anderen Jahreszeit fest. Erfahren Sie, wie der Fotograf seine stimmungsvollen Waldfotos gestaltet und welche Ausrüstung dabei zum Einsatz kommt.
DigitalPHOTO: Herr Velten, wie sind Sie zur Fotografie – und Waldfotografie – gekommen?
Carsten Velten: Zur Fotografie hat mich mein Vater in den frühen 80ern gebracht. Ich habe dann aber viele Jahre das Interesse verloren und erst mit der Geburt meiner Tochter vor 15 Jahren das Fotografieren langsam wiederentdeckt. Die Digitalfotografie und neuen Medien haben mich schnell wieder reingebracht.
Einige Jahre habe ich mich hauptsächlich mit der Landschaftsfotografie beschäftigt. Als nicht-professioneller Fotograf – mit entsprechend begrenzter Zeit – kann man allerdings nicht ständig nach Island, Norwegen oder zu sonstigen Hotspots reisen. Und im Gegensatz zu Gletschern, Bergen, Wasserfällen oder Meer ist in Deutschland eben reichlich Wald vorhanden. Was zu Beginn eher pragmatisch motiviert war, hat sich dann als ebenso faszinierend wie schwierig herausgestellt.
Ein gutes Waldfoto zu machen, ist so viel schwieriger als zum Beispiel den bekannten Berg Kirkjufell bei Sonnenaufgang abzulichten. Bis mir in dem Chaos, das im Wald herrscht, die erste halbwegs akzeptable Komposition gelang, hat es Monate gedauert. Umso befriedigender ist es, wenn ein Waldmotiv funktioniert, da es in aller Regel nicht schon tausendfach auf Instagram zu finden ist.
Was macht das Siebengebirge fotografisch so interessant für Sie?

Das Siebengebirge liegt sozusagen bei mir vor der Haustüre. Flächenmäßig ist es zwar überschaubar, aber bietet eigentlich fast alles, was man von einem deutschen Mittelgebirge erwarten kann: malerische Berglandschaften mit tollen Aussichtspunkten, kleine Seen, ein paar Burgen und Ruinen und natürlich klassische Waldszenerien.
Ihr Portfolio zeigt den Wandel der Jahreszeiten. Welche Zeit reizt Sie besonders?
Hm, das ist schwierig. Winter ist natürlich toll – sofern es geschneit hat, was in Bonn leider fast nie vorkommt. Der Herbst ist zum Wandern oder Joggen im Wald fantastisch, aber zum Fotografieren sind mir persönlich die Farben häufig etwas zu bunt.
Mit etwas Hang zum Kitsch, den ich durchaus auch besitze, ist das aber natürlich eine traumhafte Jahreszeit. Den Frühling finde ich mit seinem satten Grün sehr ansprechend und im Sommer geht die Sonne bereits so früh auf, dass man gelegentlich auch vor der Arbeit etwas Zeit zum Fotografieren findet.
Und zu welchen Tageszeiten und Wetterbedingungen fotografieren Sie am liebsten?
Tatsächlich geht im Wald – für mein Empfinden – Stimmung vor Licht. Am liebsten sind mir leicht neblige Tage, in denen es vorher ein wenig geregnet hat, damit die Farben des Laubs und der Gräser noch besser herauskommen. Na ja, und wenn dann die Sonne noch ein paar klassische Lichtstrahlen durch die Äste wirft, ist es natürlich perfekt. Für „Big Vista“-Szenen sind Inversionswetterlagen perfekt.
Ihre Fotos strahlen eine ruhige und mystische Stimmung aus. Wie erzeugen Sie diese?

Sowohl in meiner Landschaftsfotografie als auch bei Architektur oder urbanen Szenen achte ich vor allem auf Geometrie, Formen, Muster und Abstraktion, was dann auch zu eher ruhigen und teils etwas düsteren – oder im positiven Sinne – zu verträumten Stimmungen führt.
Das gilt im Prinzip auch für meine Waldfotografie, ist dort aber etwas schwieriger umzusetzen. Nebel und Inversion sind hier hilfreich, um eine solche Stimmung zu erzeugen. Ist man frühmorgens alleine in einem vernebelten Waldstück, kommt Ruhe, Verträumtheit und etwas Mystik quasi von allein ins Bild.
Eine Komposition zu finden, die diese Stimmung widerspiegelt, ist dann schon etwas schwieriger. Ansonsten versuche ich oft, nicht zu viele unterschiedliche Farben in einem Bild zu haben.
Sie wählen besondere Formate. Wieso?

Mein bevorzugtes Format ist 1 zu 1 – also das Quadrat, das für mein Empfinden die oben erwähnte Ruhe in den Bildern am besten transportiert. Speziell für Waldmotive hat sich für mich zudem herausgestellt, dass Panoramaformate gut funktionieren.
Welche Ausrüstung haben Sie auf Ihren Ausflügen ins Siebengebirge mit dabei?
Aktuell fotografiere ich mit einer Sony Alpha 7C und verschiedenen Objektiven zwischen 35 und 200 mm – zum Beispiel das Zeiss Loxia 35mm oder FE 70–200mm F4 G OSS. Für längere Belichtungen trage ich außerdem immer das Carbon-Stativ Rock Solid Alpha XL von Rollei mit mir.

Hauptberuflich ist Fotograf und DigitalPHOTO-Leser Carsten Velten als Mathematiker tätig. Zu Hause ist der 58-Jährige in Bonn nahe dem Siebengebirge in Nordrhein-Westfalen, in das es ihn immer wieder zum Fotografieren zieht.
Neben der Wald- und Landschaftsfotografie liegt sein fotografischer Fokus aber auch auf Architektur sowie urbanen Szenerien in Farbe und Schwarzweiß. Noch mehr Arbeiten von Carsten Velten finden Sie online.
www.carstenvelten.de | Instagram: @veltencarsten