Auf seinen Fotos stimmt alles: von der Lichtsetzung bis zur Pose. Axel Brand konzentriert sich auf die Inszenierung von Tänzerinnen und Tänzern, die er im Studio in einem für ihn typischen minimalistischen Stil ablichtet. Wie seine Bilder entstehen, verrät er uns im Interview.

Studiofotograf Axel Brand im Interview
Axel Brand hat eher zufällig zur Studiofotografie gefunden. Seine Bilder zeigen Tänzerinnen und Tänzer in grazilen Posen und kunstvollen Inszenierungen. Schwarz und Weiß stehen im kräftigen Kontrast zueinander. Sein minimalistischer Stil hat ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Inzwischen gibt Brand regelmäßig Workshops zum Thema. Wir konnten uns mit dem Schwaben ausführlich über seine Arbeit unterhalten.
DigitalPHOTO: Herr Brand, lassen Sie uns kurz mit Ihrem Werdegang beginnen. Wie haben Sie zur Fotografie gefunden?
Axel Brand: Die Fotografie war für mich erst einmal einfach nur ein Hobby. Urlaubserinnerungen galt es festzuhalten. Damals habe ich hauptsächlich Landschaften und kulturelle Objekte fotografiert. Später sind dann auf den Reisen auch Menschen hinzugekommen, die ich aber dokumentarisch fotografiert habe.
Wann und warum kam die Studiofotografie dazu?
Ich bin quasi zufällig zur Studiofotografie gekommen, als ich Ende 2016 nicht wie geplant nach Asien gereist bin. Da hatte ich mir überlegt, dass ich mir für ein Wochenende ein Studio miete und mit dem Licht spiele. Wider Erwarten hat es mir viel Spaß gemacht und seitdem verbringe ich meine Zeit lieber im Studio, da ich das Licht voll und ganz kontrollieren und gestalten kann.
Haben Sie direkt Menschen fotografiert?

Ja, ich habe eine Bekannte gefragt, ob ich sie fotografieren dürfte. Sehr schnell habe ich dann auch angefangen, Akt zu fotografieren, um mich ganz bewusst herauszufordern, da man als Fotograf das auch sehr schnell schlecht machen kann. So musste ich mich intensiv mit der Lichtsetzung auseinandersetzen, was gut und wichtig war.
Wie kam die Idee, Tänzerinnen abzulichten?
Die Aktfotografie hat für mich sehr schnell den Reiz verloren gehabt und eigentlich wollte ich mich wieder mehr der Reisefotografie widmen. Dann habe ich aber eine Balletttänzerin gesehen und war fasziniert von ihrem Körpergefühl.
Ich begann also, Tänzerinnen und Tänzer im Studio zu fotografieren und habe darin letzten Endes meine Passion gefunden. Die Leichtigkeit, wie sie schwere Figuren umsetzen und dabei entspannt aussehen, bringt dem Bild eine Eleganz und Grazie, wie sie „normale“ Modelle selten haben.
Sie haben sich einen ganz eigenen fotografischen Stil angeeignet – ein Minimalismus, der typisch für Ihre Bilder ist. Wie haben Sie zu diesem Stil gefunden?

Ich bin der Meinung, dass alles, was zur Bildaussage nichts beiträgt, vom Motiv ablenkt und dementsprechend im Bild nichts zu suchen hat. Meine Arbeiten sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren: Mimik und Linienführung der Tänzerinnen und Tänzer. Die Monochrom-Fotografie ist zeitlos, elegant. Das Augenmerk wird auf die Linienführung gelenkt.
Können Sie uns Ihren Studio- und Lichtaufbau kurz erklären?
Meine Bilder entstehen in einem Mietstudio im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck. Dort habe ich fast perfekte Bedingungen für die Tanzfotografie. Es gibt eine große, zweiseitige Hohlkehle und mit einem Megaboom einen Galgen, mit dem ich sehr genau das Licht setzen kann. Mein Lieblingssetup ist eine 120er-Oktabox mit Grid.
Allerdings kommt es natürlich immer darauf an, was ich genau machen möchte. Oft muss ich mehrere Blitze setzen, wobei die Oktabox immer das Hauptlicht ist. Wenn es ein Bild mit fliegendem Rock sein soll, verwende ich vier bis fünf Blitzköpfe, je nachdem, wie die Akzente gesetzt werden sollen.
Mit welcher Kamera entstehen Ihre Bilder?

Prinzipiell sind die Kamera und Objektive ein Werkzeug, das einem helfen soll, die Bilder festzuhalten. Das Auge ist viel wichtiger für die Bildgestaltung. Ich fotografiere hauptsächlich mit Fujifilm-Kameras, derzeit mit der XT-30.
Ich mag es, dass ich über die Einstellräder alle Parameter praktisch blind ändern kann, ohne umständlich in ein Menü gehen zu müssen. Da ich viel mit Kontrasten arbeite, kommt mir außerdem der Kontrastumfang von Fujifilm zugute. Das sind aber die Feinheiten, um zu entscheiden, welches System am geeignetsten für eine Person ist.
Wie bearbeiten Sie Ihre Bilder?

Mit Photoshop bearbeite ich den Hintergrund, mache die Hautretusche und Skalierarbeiten. Anpassungen, wie die der Tonwerte, entstehen anschließend in Lightroom. Jedes Bild bearbeite ich einzeln, mit Presets arbeite ich dagegen überhaupt nicht. Das ist zwar eine zeitaufwendige Methode, aber für mich die bessere Lösung.
Wie finden Sie Ihre Models?

Da ich hauptsächlich und sehr gerne Ballett fotografiere und im Ballett die Figuren strengen Regeln unterliegen, ist es für mich auch sehr wichtig, dass die Figuren technisch sauber umgesetzt werden, und das ist mit professionellen Tänzerinnen am besten realisierbar. Meine erste Tänzerin war Katharina Merk, mit der ich sehr viel zusammenarbeite.
Wir haben mit dem Portal Portfolioshooting.de mittlerweile ein spezielles Angebot für Tänzerinnen und Tänzer ausgearbeitet, welches wir regelmäßig anbieten. Ansonsten ist es wie überall: Bewegt man sich eine gewisse Zeit in einem bestimmten Kreis, lernt man immer wieder neue Leute kennen. Auch auf Instagram tut sich da sehr viel.
Wie läuft ein Shooting-Tag ab?
Meine Shootings dauern meist acht bis zehn Stunden. Die Figuren werden vorab besprochen, sodass ich direkt loslegen kann. Am Tag selbst besprechen wir nur noch, wann wir was umsetzen wegen der Frisur. In der Regel kommen die Tänzerinnen geschminkt, da es zu Hause doch einfacher, weil gewohnt, ist.
Während des Shootings wird vielleicht nachgeschminkt. Es soll effizient gearbeitet werden. Tanzfotografie benötigt viel Zeit. Bei einem Zehn-Stunden-Tag mache ich ca. 300 Bilder, aus denen ich etwa 15 auswähle.
Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste bei der Arbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern?

Die Kommunikation ist entscheidend. Als Fotograf weiß ich, wie das Licht zu setzen ist – aber habe natürlich keine Tanzausbildung. Hier muss ich mich auf die Erfahrung der Tänzerinnen und Tänzer verlassen, die genau wissen, wie sie etwas anders machen müssen, damit es auf dem Bild richtig aussieht. Tanzfotografie ist anstrengender als auf der Bühne. Es wird immer dieselbe Muskulatur beansprucht, bis es weiter zur nächsten Figur geht.

Axel Brand hat seinen fotografischen Schwerpunkt auf die Ballett-/Tanz- und Fine-Art-Fotografie gelegt. Mit seinem minimalistischen Stil hat er sich im Laufe der Zeit eine eigene Handschrift angeeignet, die ihn bis heute auszeichnet. Seine Bilder wurden vielfach in internationalen Fotowettbewerben (u. a. Trierenberg Super Circuit, Monochrome Awards, Spider Awards) ausgezeichnet sowie in Magazinen und Ausstellungen publiziert.
Mittlerweile gibt er Workshops zu unterschiedlichen Themen der Studiofotografie, in denen er Wissen zum Umgang mit Modellen und Tänzer*innen, zu Lichtmessung, Lichtaufbau, Auswahl und Wirkung von Lichtformern, Wahl und Auswirkung der Perspektive sowie der passenden Wahl des Objektives vermittelt.