Die Entscheidung für einen Kamerahersteller fällt vielen Fotografen schwer und vor allem Einsteiger kann das große Produktportfolio schnell überfordern. Ein eben solches Portfolio kann auch der japanische Elektronik-Riese Canon vorweisen. Um Ihnen die Wahl der richtigen Kamera zu erleichtern haben wir unsere 5 Favoriten unter 1.500 Euro zusammengefasst. Selbstverständlich wurden alle vorgestellten Kameras in unserem unabhängigen Testlabor geprüft!
Die EOS RP – das „P“ steht hier für populär – soll nach Canons Wünschen zum neuen Bestseller avancieren und ähnliche Wellen schlagen wie einst die EOS 6D, die die weltweit erste digitale Vollformatt-DSLR war, die die damals magische Preisgrenze von 2.000 Euro unterbot. Die EOS RP geht sogar noch weiter und ruft 1.499 Euro als unverbindliche Preisempfehlung auf, der tatsächliche Straßenpreis liegt momentan noch etwas niedriger. Damit rangiert die spiegellose Systemkamera deutlich unter dem derzeitigen Handelspreis der Nikon Z 6(um 2.000 Euro) und den noch höher im Preissegment platzierten Modellen von Panasonic (S1, S1R) und den aktuellen Sony-7er-Kameras wie der Alpha 7 III. Einzig schon etwas betagtere Vorgängermodelle, wie die Sony Alpha 7 II (1.078 Euro), unterbieten den Kampfpreis der EOS RP. Bei allem Wettbewerb und Marktdruck stellt sich für den Fotografen die alles entscheidende Frage, ob sich die Investition lohnt? Denn auch rund 1.500 Euro sind eine Stange Geld, die die meisten nicht ohne Weiteres – und erst recht nicht unbedarft – aus dem Handgelenk schütteln. Canon muss also gute Argumente liefern. Wir hatten die exklusive Gelegenheit, die EOS RP, die übrigens Canon-intern auf der gleichen Stufe wie die Spiegelreflex EOS 6D Mark II platziert wird, im lettischen Riga ausführlich unter diversen Bedingungen und mit unterschiedlichen RF- und EF-Objektiven zu testen. Zudem haben wir die Systemkamera in unserem unabhängigen Testlabor auf Herz und Nieren geprüft. Dabei stellte sich heraus, dass es einige gute Gründe für – aber auch schlagkräftige gegen – die EOS RP gibt. Beginnen wir mit den Vorteilen.
Canon EOS RP mit 4.779 Autofokuspositionen
Mit einem Gewicht von rund 485 Gramm wiegt die staub- und spritzwassergeschützte RP sogar weniger als zwei Pakete Butter – und rund 300 Gramm weniger als ihr Spiegelreflexpendant 6D Mark II. Zudem liegt sie auch mit ihrem schlanken Gehäuse dank ausgefeiltem Design ausgesprochen gut und souverän in der Hand. Schalter und Regler, die sich teils individuell mit oft genutzten Funktionen belegen lassen, sind prima erreichbar und das dreh- und schwenkbare Display bietet modernen Touchkomfort. Über Letzteres navigieren Sie bequem durch das Canon-typisch aufgeräumte und logisch aufgebaute Menü. Im Vergleich zur umfangreich ausgestatteteren EOS R lässt sich hier allerdings der Dual Pixel Autofokus nicht so umfangreich an die aktuelle Shooting-Situation anpassen. Dennoch stehen bei der Canon EOS RP 4779 Autofokuspositionen zur Verfügung, etwas weniger als bei der R, doch immer noch mehr als ausreichend Optionen zur praktisch nahtlosen Wahl der AF-Position. Neu hinzugekommen ist ein Einzelfeld-Spot- AF für Makroaufnahmen.
Darüber hinaus lässt sich der Autofokus, wie bei der EOS R, wahlweise über das dreh- und schwenkbare Touchdisplay per Fingertipp, via Touch-and-Drag, beim Blick durch den elektronischen Sucher und gleichzeitiges Tippen auf das Display oder über die Bedienfelder beziehungsweise die Wahlräder am Kameragehäuse festlegen. Flexibilität deluxe! Porträtfotografen dürfen sich über die Autofokus-Augenerkennung freuen, die kontinuierlich das Auge des Motivs verfolgt und die Schärfe entsprechend reguliert. Dieses Komfortfeature sowie der Einzel-Feld-AF bei 100-Prozent- Ansicht ist übrigens nun auch (endlich) für die EOS R via Firmware-Update verfügbar. In Riga stellten wir den neuen Augenautofokus beim Porträtshooting in einer verlassenen Bahnstation auf die Probe. Trotz dunkler Umgebung arbeitete dieser meist sehr zuverlässig und hielt das Auge des Models im Fokus. So konnten wir uns primär auf die Bildgestaltung konzentrieren, während die RP sich um die technische Umsetzung kümmerte. Ein absolut nützliches Feature, das das Fotografieren erleichtert – egal, ob Profi oder Einsteiger. Beachten sollte man jedoch, dass der Augen- AF nicht mehr funktioniert, wenn das Auge zu klein wird. Bei leicht seitlichen oder frontalen Aufnahmen aus kurzer und mittlerer Distanz sitzt der AF hingegen meist zu 100 Prozent auf dem rechten oder linken Auge. Vergleicht man das Feature mit dem sehr ausgefeilten Augen- AF einiger Sony-Modelle (z. B. Alpha 7 III oder 9) zieht die RP den Kürzeren.
Manko: Bildstabilisator
Was definitiv fehlt, ist ein integrierter 5-Achsen- Stabilisator, wie ihn praktisch alle Vollformat-Systemkamera-Mitbewerber bieten. Angefangen bei der Nikon Z 6 über die Panasonic S1 und S1R bis hin zur Sony Alpha 7R III. Schade, denn technisch wäre eine Integration sicher möglich gewesen. Doch auch die EOS R ließ dieses Feature schon vermissen. Statt dessen setzt Canon auf die Dual Sensing IS Technologie gegen Verwacklungen bei Aufnahmen aus der freien Hand und stattet zudem entsprechend viele RF-Objektive mit einem Bildstabilisator aus. Dies ist auch gut so, denn bei unseren unterschiedlichen Foto-Sessions im lettischen Dämmerlicht konnten wir so noch die meisten Bilder zuverlässig und nicht verschwommen ablichten. Apropos Stabilisator, wer eine Profikamera um 1.500 Euro sucht und auf den Vollformat-Sensor verzichten kann, sollte einen Blick auf die umfangreich ausgestattete Fujifilm X-H1 werfen. Sie bringt nicht nur einen 5-Achsen-Stabilisator mit, sondern auch eine herausragende Bildqualität. In unserem Testlabor kommt das Fujifilm-Flaggschiff der X-Serie auf glatte 94 Prozent in der Gesamtwertung und sichert sich das Testurteil SUPER.
Vielseitig einsetzbar
Kommen wir zu den Motiven Landschaft, Reise und Architektur: Hier spielte vor allem der Bildsensor seine Stärken aus, die er auch im DigitalPHOTO-Testlabor unter Beweis stellen konnte. Bis einschließlich ISO 3200 lässt sich sicht- und messbar hervorragend fotografieren, erst in höheren Sphären trübt eine sinkende Schärfe den visuellen Eindruck. Überraschend hoch ist die Bildauflösung. Diese liegt praktisch auf Augenhöhe mit der preislich deutlich höher positionierten EOS R. Die Canon EOS RP kommt bei ISO 100 auf 2171 Linienpaare pro Bildhöhe, die R auf 2156. Zum Vergleich: Die Nikon Z 6 erreichte im Test 2196 LP/BH. Im Inneren der EOS RP arbeitet ein 26,2-Megapixel-Sensor, der zumindest in Sachen Auflösung identisch mit dem Chip der EOS 6D Mark II ist. Verarbeitet werden die Bilder bei der spiegellosen von einem Digic-8-Bildprozessor, während in der DSLR ein Digic 7 werkelt. Technisch ist die kompakte Systemkamera folglich etwas besser ausgestattet. In Riga hatten wir zahlreiche Gelegenheiten, die Bildqualität in unterschiedlichen Situationen zu testen. Sei es im schummrigen Licht in der verlassenen Tramstation, beim Porträt- Shooting mit natürlichem und künstlichem Blitzlicht, bei Architekturaufnahmen am Nachmittag oder bei stimmungsvollen Fotos der abendlich beleuchteten Altstadt. Insgesamt gelingen die Fotos mit dem 26,2-Megapixel-Sensor durchweg gut bis sehr gut. Beachten sollte man letztlich noch die minimale Belichtungszeit. Die Canon EOS RP bietet – wie die 6D MK II – 1/4000 Sekunde als kürzeste Zeitspanne an, während die EOS R oder die Nikon Z 6 noch eine 1/8000 Sekunde meistern. Zudem lässt sich der in einigen Situationen eigentlich sehr praktische lautlose Aufnahmemodus der EOS RP nur im entsprechenden Szenenmodus nutzen. Kleine, aber feine Unterschiede, die für einige Fotosujets von entsprechend hoher Bedeutung sein können.
Schwachpunkt Akku
Als ziemlich dürftig erweist sich der Canon EOS RP Akku. Ein Manko, das der japanische Hersteller kennt, wurden wir doch zum Shooting-Tag mit gleich drei Akkus ausgestattet. Und in der Tat: Bereits nach 150 Aufnahmen ging dem ersten Energieriegel der Saft aus. Obwohl wir etwa das Display nicht exzessiv genutzt haben. Ein Grund war sicher auch die Kälte von unter fünf Grad in Riga. Bei aktiviertem Eco-Modus und anderen Energiespartricks ließe sich mehr herausholen. Immerhin: Die Canon EOS RP lässt sich via USB-C auch mit einer Powerbank aufladen. Die CIPA-Messung kommt auf 250 Bilder. Zum Vergleich: Die EOS 6D Mark II packt 1200 Aufnahmen – Pluspunkt für die DSLR. Videografen müssen zudem mit 4K-Filmaufnahmen mit Crop-Faktor – wie bei der EOS R – auskommen. Eine Einschränkung, die es bei Systemkameras anderer Hersteller nicht gibt.
Fazit
Mit einem vergleichsweise aggressiv niedrigen Preis will Canon seine Kunden für das neue R-System begeistern und zum Kauf der EOS RP bewegen. Egal, ob potenzielle Spiegelreflexwechsler oder Systemkameraneukunden, beide erhalten mit der RP eine grundsolide Kamera mit großem Sensor und starkem Autofokus. Einschränkungen gibt es in Sachen Akkulaufzeit. Hier kommt die spiegellose EOS laut CIPA nur auf magere 250 Fotos. Mindestens ein Ersatzakku ist also Pflicht. Auch der 4K-Crop-Faktor wird einige nicht begeistern.
Rückblende, Oktober 2012: Canon stellt mit der EOS M seine erste spiegellose Systemkamera vor. Unser damaliges Testergebnis fällt ernüchternd aus: Die Konkurrenz bietet für den vergleichbar hohen Preis von damals 800 Euro deutlich mehr. Fünfeinhalb Jahre später begibt sich die EOS M50 auf bislang unerforschtes Terrain: Satte 92,6 Prozent in puncto Abbildungsleistung übertrifft alle vorangegangenen EOS-M-Modelle.
Der Bildsensor mit Tiefpassfilter löst in der EOS M50 üppige 24,1 Megapixel auf. Die Bilddaten werden vom fortschrittlichen Digic-8-Prozessor verarbeitet. Das Rauschverhalten imponiert für eine Kamera ihrer Klasse: Bis einschließlich ISO 3200 lassen sich rauscharme Fotos erstellen. Und das sogar in Serie: Die Canon EOS M50 wurde mit einer Serienbildgeschwindigkeit von rund zehn Bildern pro Sekunde vorgestellt. Diese Aussage können wir bestätigen: In unserem Testlabor kam die spiegellose Canon auf 9,4 Bilder in der Sekunde. Schade, dass nach bereits einer Sekunde im RAW-Format die Kamera ins Stocken gerät. Ein Arbeitsgerät für Fotografen, die viel Sport und Action fotografieren, ist die Canon damit gewiss nicht. Schnappschüsse lassen sich dennoch prima aufnehmen.
Flinkes Autofokussystem
Abhängig vom Objektiv stehen maximal 143 AF-Messfelder zur Verfügung. In unserem Labortest überzeugte die EOS M50 mit flotter Geschwindigkeit, wie man es von dem erstklassigen AF-System gewohnt ist. Da wir gerade beim Thema Autofokus sind: Die Videoauflösung hat der Hersteller bei EOS-M-Kameras bislang stets auf Full-HD-Qualität limitiert – selbst beim Topmodell EOS M5. Das ist gerade in Bezug auf das hervorragende Autofokussystem sehr schade.
Mit der EOS M50 ändert Canon den Kurs und stattet sein neuestes Modell mit mehr Videoauflösung aus: Die EOS M50 zeichnet Videos in 4K (3840 x 2160) auf. Die Freude ist groß, doch hält nicht allzu lange. Beim Filmen in 4K-Auflösung ist das Dual-Pixel-CMOS-Autofokussystem nämlich nicht möglich. Hier wechselt die Kamera auf ein Autofokussystem mit Kontrast-Erkennung. Schade, dass Canon damit die Chance verpasst, den hervorragenden Dual-Pixel-CMOS-AF für ein zeitgemäßes Videoformat salonfähig zu machen. Dass die Kamera Abstriche macht, ist angesichts des Neupreises von damals 579 Euro allerdings auch klar.
Dreh- und schwenkbarer Monitor
Die Ausstattung der Canon EOS M50 ist dennoch zufriedenstellend: Rückseitig steht ein dreh- und schwenkbarer Touchscreen mit einer Diagonalen von drei Zoll zur Verfügung. Das gab es in der Geschichte der EOS-M-Kameras noch nicht. Selbst das Topmodell EOS M5 bietet nur einen kippbaren Monitor. Die Auflösung des Displays ist mit 1,04 Millionen Bildpunkten ausreichend hoch. Der OLED-Sucher ist mit einer Auflösung von 2,36 Millionen Bildpunkten ebenfalls hoch aufgelöst und bietet mit einer Bildfeldabdeckung von rund 100 Prozent auch eine lobenswerte Übersicht. Auf der Gehäuseoberseite steht neben einem Blitzschuh auch ein Aufklappblitz bereit. Dieser erweitert die kompakte Kamera um eine einsteigerfreundliche Ausstattung. Wenn es um Ausstattung geht, die auch Fotoeinsteiger der jüngeren Generation zufriedenstellt, muss die Kamera auch drahtlos konnektiv sein. Canon berücksichtigt die Wünsche dieser Zielgruppe mit der kompakten EOS M50 und stattet seine Neuheit mit integriertem WLAN, Bluetooth und NFC aus. Mit der Canon Camera Connect App (kostenlos verfügbar für Android und iOS) lässt sich die EOS M50 drahtlos steuern. Zudem lassen sich die Fotos schnell auf ein Smartphone übertragen und dann teilen. Eine Akkuladung ist auf nur 295 Fotos ausgelegt. Im Eco-Modus lässt sich die Laufzeit zwar um 125 Fotos erweitern, dennoch ist ein zweiter Akku (Canon LP-E17, 43,90 Euro) Pflicht.
Großbaustelle: EF-M-Objektive
So toll die neue Canon EOS M50 in unserem Test auch abschneidet, Interessenten der Kamera sollten eines bedenken: Das Objektivportfolio ist nach wie vor alles andere als fortschrittlich – zumindest wenn es um Objektive mit EOS-M-Bajonett geht. Canon hat gerade einmal acht EF-M-Objektive im Angebot. Ein lichtstarkes Standardzoomobjektiv sucht man vergeblich. Ebenso steht es um eine Fixbrennweite um 85 Millimeter für den Porträtbereich. Bis auf die kompakte Festbrennweite EF-M 22mm f/2 STM kommen alle weiteren EF-M-Objektive mit integriertem Bildstabilisator. Das ist zumindest ein kleiner Vorteil, mit dem die lichtschwachen Zooms auch in etwas dunkleren Umgebungen einsetzbar bleiben.
Nach unserem Labortest wollten wir mit Praxisfotos herausfinden, wie es um das Rauschverhalten der EOS M50 bei alltäglichen Motiven steht. Fazit: Bis ISO 1600 sind die Aufnahmen völlig rauscharm, und selbst bei ISO 3200 weiß die Canon zu überzeugen. Fotos mit ISO 25.600 und mehr sollte man allerdings vermeiden.