Draußen dämmert es bereits und Dunkelheit naht? Dann nutzen Sie den kurzen und magischen Moment, wenn das erste Abendlicht auf warmes Kunstlicht trifft – dann beginnt die blaue Stunde!

Stadtlandschaft in der Dämmerung
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Abend – und kurz vor Sonnenaufgang am Morgen – kommt es zu einer Lichtstimmung, die vor allem Stadt- und Landschaftsmotive in eine traumhafte Atmosphäre taucht: die Blaue Stunde. Während dieser Phase der Dämmerung ist es bereits recht dunkel, das schwache Restlicht fällt besonders weich und flach auf Landschaften und Städte hinab und der Himmel darüber erstrahlt in einem intensiven Blau.
Um welche Uhrzeit die Dämmerung an einem bestimmten Datum und Ort beginnt, können Sie mithilfe von Websites wie jekophoto.de oder Smartphone-Apps wie PhotoPills oder Sun Seeker im Vorfeld genau berechnen. Unser Tipp: Seien Sie bereits vor Eintritt der Dämmerung beziehungsweise der blauen Stunde am Fotospot. So können Sie in Ruhe – und mit genügend Licht – Ihr Equipment aufbauen sowie Bildkompositionen und Kameraeinstellungen ausprobieren.

Der Winter zeigt sich dabei übrigens als besonders angenehme Fotozeit – zumindest, was die Uhrzeiten angeht: Im Januar dämmert es in Köln zum Beispiel am Morgen erst zwischen 8 und 8:30 Uhr und am Abend bereits zwischen 17 und 18 Uhr. Zudem wichtig: Während der blauen Stunde ist die Lichtintensität gering, ein Stativ wird daher benötigt, um Langzeitbelichtungen aufgrund der schwachen Lichtverhältnisse scharf zu meistern.
Für weitläufige Landschaften – egal, ob Natur oder Stadt – lohnt sich außerdem der Griff zu einem Weitwinkelobjektiv. Dieses erlaubt einen großen Blickwinkel, um möglichst viel vom Motiv zu zeigen.
Schritt für Schritt: Stadt am Wasser zur Blauen Stunde
1. Im Licht der Blauen Stunde
Erstrahlt der Dämmerungshimmel zur Blauen Stunde im typischen – und namensgebenden – Blau, profitieren insbesondere Stadtlandschaften mit gelben Kunstlichtern von der kurzweiligen Lichtstimmung.
Dann tritt die warme Beleuchtung der Straßen und Häuser in Kontrast mit den kalten Farbtönen am Himmel und sorgt für spannende Kalt-Warm-Kontraste im Bild. Diesen Lichtmoment machte sich auch Axel Jusseit für seine Aufnahme des historischen Wasserturms mit der Kapellbrücke in Luzern zunutze:
„An dem Motiv reizten mich vor allem die Reflexionen der Gebäude mit ihren warmen Lichtern im See. Architektonische Motive wie diese fotografiere ich fast nur zur Blauen Stunde“, verrät der Fotograf und fügt hinzu: „Den Bildaufbau hielt ich klassisch mit dem Turm im Drittel-Schnitt.“
2. Weitwinkel und Stativ
Zum Fotografieren verwendete Axel Jusseit die Canon 5D Mark IV zusammen mit dem Ultra-Weitwinkelzoom Canon EF 16–35mm f/2.8L III USM – stabil gesichert auf dem Manfrotto 055er Stativ. Dieses ermöglichte dem Fotografen, mehrere Belichtungen mit identischem Bildausschnitt aufzunehmen (siehe Schritt 3) und die langen Verschlusszeiten von bis zu 20 s ohne Verwackler zu meistern.
3. Belichtungsreihe in RAW
Um sowohl den leuchtend blauen Himmel als auch die kontrastreiche Skyline mit den hellen Lichtern und Schriftzügen optimal zu belichten, fertigte Axel Jusseit eine Belichtungsreihe mit unterschiedlichen Helligkeiten an. Während der Fotograf die Blende mit f/11 – für eine durchgehende Schärfe – und die Lichtempfindlichkeit mit ISO 100 – für ein rauschfreies Bildergebnis – nicht veränderte, variierte die Verschlusszeit zwischen 1 und 20 s.
„Die Einzelfotos habe ich mit Camera RAW in Bridge zu einem HDR zusammengefügt und wechselte dann für Korrekturen und Detailretuschen zu Photoshop“, so Jusseit und verrät abschließend: „Um die Wärme der Beleuchtung im Kontrast zu dem frostig kalten Wasser und Himmel zu verstärken, nahm ich Farb- und Kontrastanpassungen vor.“

Nicht vergessen:
► Lichtstarkes Weitwinkel: Festbrennweite oder Zoom für viel Blickwinkel beziehungsweise Bildbreite und offene Blenden.
► Stativ: Um verlängerte Belichtungszeiten aufgrund schwacher Lichtverhältnisse zu meistern und Belichtungsreihen aufzunehmen.
So geht's:
► Dämmerungsrechner: Berechnen Sie die Uhrzeit für die Dämmerung im Vorfeld und planen Sie das Shooting entsprechend.
► RAW: Stellen Sie RAW als Dateiformat ein.
► Feste Kamera: Platzieren Sie die Kamera auf einem Stativ.
► Langzeitbelichtung: Halten Sie den ISO-Wert niedrig, wählen Sie eine mittlere Blende und belichten Sie das Motiv entsprechend lang. Für eine optimale Belichtung von Himmel und (Stadt-)Landschaft lohnt sich gegebenenfalls das Anfertigen einer Belichtungsreihe.

www.axel-jusseit.de | Instagram: @axel_jusseit