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Ratgeber

Porträts am Fenster fotografieren: Schattenspiel bei hartem Licht

Auch Indoor zeigt sich Available Light als tolle Lichtquelle für Porträts am Fenster. Wir verraten, wie Sie hartes Fensterlicht weicher gestalten – oder für kreative Effekte gezielt einsetzen.

Porträts am Fenster fotografieren

Natürliches Fensterlicht gilt mitunter als perfekte Lichtquelle für schöne Porträts. Fensterlicht ist jedoch nicht gleich Fensterlicht:

Ähnlich wie bei der Available-Light-Fotografie draußen ist das Wetter beziehungsweise der Härtegrad des Lichts auch für die Wirkung von Indooraufnahmen entscheidend. Um direktes Sonnenlicht, das durch ein Fenster in einen Raum hereinfällt, abzuschwächen beziehungsweise sanfter zu machen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

Sehr gut eignen sich lichtdurchlässige Gardinen oder Jalousien. Auch ein weißes Bettlaken vor dem Fenster ist ein toller Diffusor. Wichtig: Dabei wird das Licht nicht nur weicher, sondern die Ausleuchtung auch insgesamt etwas dunkler. Achten Sie auf die Belichtungszeit.

Diese sollte nicht länger als 1/125 s sein. Ist dies der Fall, öffnen Sie die Blende oder erhöhen Sie den ISO-Wert. Sind keine Vorhänge vorhanden, empfehlen wir, das Modell vom Fenster zu entfernen. Mit jedem Meter wird das Licht sanfter – optimal sind in der Regel ein bis zwei Meter. Um starke Licht-Schatten-Kontraste auszugleichen, hilft außerdem ein Reflektor, den Sie auch als Diffusor einsetzen können.

Die Richtung des Lichts

Bei der Ausleuchtung ist nicht nur die Beschaffenheit des vorhandenen Lichts entscheidend für die Bildwirkung, sondern vor allem auch, aus welcher Richtung es im Verhältnis zu Ihrer Aufnahmeposition auf Ihr Motiv fällt. Die Lichtrichtung wird dabei vor allem in drei Kategorien unterteilt:

  • Vorder- beziehungsweise Frontallicht,
  • Seiten- beziehungsweise Streiflicht
  • sowie Gegenlicht.

Fällt das Licht frontal, also von vorn auf Ihr Motiv, fotografieren Sie mit dem Licht und Ihr Motiv wird gleichmäßig ausgeleuchtet und „gut sichtbar“ gemacht. Bei Porträts erhalten die Augen zudem große Reflexionen und somit einen schönen Glanz – siehe Bild rechts.

Licht, das seitlich auf Ihr Motiv fällt oder dieses streift, wirkt hingegen modellierend und erzeugt mit Schattenbildung Plastizität. Fotografieren Sie entgegen dem Licht, entstehen starke Kontraste und Lichtsäume, die die Konturen und Formen betonen.

Schritt für Schritt

1. Frontales Fensterlicht

Dieses Indoorporträt entstand mit sanftem Tageslicht, das durch ein großes Fenster frontal auf das Modell fiel. „Die junge Frau auf dem Bild buchte mich für ein Fotoshooting“, so Mathias de le Roi und erzählt weiter:

„Da sie vom Sommer noch eine leicht gebräunte Haut hatte, beschloss ich, das Bild mit angenehmen Brauntönen zu gestalten und verwendete ein braunes Tuch als Hintergrund. Mein Ziel war, einen Bildlook zu kreieren, der an einen warmen Tag in der Toskana erinnert. Ich platzierte das Modell mit Blick nach draußen vor einem großen Fenster, da an diesem Tag das Tageslicht angenehm weich ins Zimmer schien und ihre Haut sehr geschmeidig aussehen ließ.“

Durch den frontalen Lichteinfall entstanden wenig Schatten und die Augen wurden wirkungsvoll zum Funkeln gebracht.

2. Lichtstarke 50mm 

Festbrennweiten mit 50mm Brennweite erfreuen sich in der Porträtfotografie großer Beliebtheit. So bieten diese nicht nur eine natürliche Perspektive, die dem menschlichen Blickfeld sehr nahe kommt, sondern meist auch eine hohe Lichtstärke, mit der Sie auch bei schwachen Lichtverhältnissen kurze Verschlusszeiten und schöne Bokeh-Effekte erzielen können.

Fotograf Mathias de le Roi verwendete für dieses Shooting mit ausschließlich natürlichem Licht das Sigma 50mm F1,4 DG DN | Art auf der Nikon D850.

3. Offene Blende und Fokus 

Starke Porträts leben von einer präzisen Schärfesetzung bei möglichst geringer Schärfentiefe. Um das Modell hier vor dem Hintergrund freizustellen, wählte Mathias de le Roi aber nicht die maximale Offenblende seiner Festbrennweite, sondern schloss die Blendenöffnung minimal auf f/2,2.

„Ich wollte damit erreichen, dass der Schärfepunkt nicht zu eng wird. Der Hintergrund sollte zwar unscharf sein, die Arme des Models jedoch nicht zu sehr. Den Fokuspunkt habe ich wie immer bei einem Porträt auf das Auge gelegt, welches der Kamera am nächsten liegt“, erklärt der Fotograf.

Die aufgenommene RAW-Datei entwickelte er anschließend in Lightroom, indem er Helligkeit, Farben und Schärfe anpasste, danach wechselte er zu Photoshop, wo er unter anderem die Dodge-and-Burn-Technik anwendete.

Der Fotograf

www.deleroiphoto.de | Instagram: @deleroiphotography

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