Auch wenn nachts alle Katzen grau sein mögen – in der Fotografie gibt es unzählige Motive, die gerade bei Dunkelheit ihr volles Potenzial ausspielen. Unsere Nachtfotografie-Tipps zeigen kurz und bündig, worauf Sie achten und welche Kameraeinstellungen Sie für Nachtaufnahmen wählen sollten.

Nachtfotografie: 12 Tipps zum Nachmachen
1. Verwenden Sie ein stabiles Stativ

Dank der verbesserten Abbildungsleistung bei hohen ISO-Werten und einer optimierten Rauschreduzierung liefern aktuelle DSLR- und CSC-Kameras auch in dunklen Umgebungen noch eine gute Bildqualität. Allerdings geht nichts über lange Belichtungen, um bei Nachtaufnahmen scharfe Bilder mit einem Minimum an Rauschen zu erzeugen.
Ein Stativ zwingt Sie quasi dazu, mit langen Zeiten zu arbeiten und sich mit Ihrem Motiv genauer auseinanderzusetzen – sowohl technisch als auch gestalterisch. Außerdem bietet es mehr Flexibilität als z. B. ein Bohnensack als Auflage – oder wenn Sie die Kamera auf einer Mauer platzieren.
2. Live-View nutzen für Ihre Bildkomposition

Live-View bietet eine Menge Vorteile bei geringem Umgebungslicht. Über das LC-Display Ihrer Kamera lässt sich so nicht nur der Bildausschnitt exakter bestimmen, sondern auch präziser fokussieren. Nutzen Sie dazu die fünffache und zehnfache Vergrößerung, um auf die gewünschte Stelle exakt scharf zu stellen. Außerdem verringern Sie mit Live-View die Gefahr, dass bei der verwendeten langen Belichtungszeit Licht durch den Sucher in das Innere Ihrer Kamera dringt.
3. Manuellen Modus M auswählen

Das eigenhändige Festlegen von Blende und Verschlusszeit im manuellen Modus M mag vielleicht zunächst etwas Übung erfordern, erlaubt aber die volle Kontrolle über das spätere Aussehen Ihres Bildes. Der Modus eignet sich allerdings nur für Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden. Für Zeiten, die noch länger sind, müssen Sie den Langzeitbelichtungsmodus Bulb (B) verwenden.
4. Manuell fokussieren

Die aktuellen Spiegelreflex- und Systemkameras verfügen zwar über ein leistungsstarkes Autofokussystem, doch bei Dunkelheit hat selbst die beste Technik häufig Schwierigkeiten. Wechseln Sie deshalb an Ihrem Objektiv von automatischer (AF) zu manueller Fokussierung (MF), sobald Sie mit der Schärfe im Bildausschnitt zufrieden sind.
So verhindern Sie, dass die Kamera beim Auslösen erneut fokussiert und somit die Aufnahme ruiniert. Dies ist besonders hilfreich, wenn Sie mehrere Belichtungen aufzeichnen wollen.
5. Niedrige ISO-Empfindlichkeit

Als Grundeinstellung sollten Sie bei Nachtaufnahmen ISO 80 bis 100 verwenden. So vermeiden Sie Bildrauschen und haben einen Ausgangswert, auf dessen Basis Sie Belichtungszeit und Blende ermitteln können. Wollen Sie Ihre Aufnahme aufhellen, aber keine längeren Belichtungszeiten nutzen (z. B. um Lichtspuren der Sterne am Himmel zu vermeiden), können Sie den ISO-Wert aber auch erhöhen.
6. Bildstabilisator deaktivieren
Der Bildstabilisator Ihres Objektivs erkennt versehentliche Verwackelungen und ist daher überflüssig bei der Arbeit mit einem Stativ. Dies spart nicht nur Akkulaufzeit, sondern verhindert auch eine leichte Unschärfe, die entstehen kann, wenn ein aktiver Bildstabilisator versucht, Bewegungen auszugleichen, die nicht vorhanden sind. Denken Sie aber daran, den Bildstabilisator wieder zu aktivieren, sobald Sie Fotos aus der Hand schießen.
7. Spiegelverriegelung einschalten

Bei langen Belichtungszeiten haben schon kleinste Erschütterungen Auswirkungen auf die Schärfe. Wenn Sie mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren, sollten Sie deshalb die Spiegelverriegelung aktivieren, um mögliche Vibrationen zu vermeiden, die beim Hochklappen des Spiegels während der Belichtung entstehen. Vergessen Sie aber nicht, diese danach wieder zu deaktivieren.
8. Belichtung einstellen

Nachdem Sie Ihre Kamera eingerichtet haben, können Sie sich an die ersten Aufnahmen wagen. Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Kombinationen aus Blende und Belichtungszeit, um die gewünschte Helligkeit und Schärfentiefe zu erhalten. Dabei sollten Sie das Umgebungslicht und Ihr Motiv berücksichtigen.
Während der Dämmerung ändern sich die Lichtbedingungen sehr schnell, passen Sie Ihre Einstellungen also entsprechend an. Um bei einem gleichbleibenden ISO-Wert die Helligkeit zu erhöhen, können Sie entweder die Verschlusszeit verlängern oder eine größere Blende (sprich: eine kleinere f-Zahl) wählen – beide Einstellungen haben aber unterschiedliche Auswirkungen auf das finale Bild.
Alternativ können Sie auch den ISO-Wert erhöhen, was jedoch häufig auch zu mehr Bildrauschen führen kann.
9. Rauschreduzierung deaktivieren

Wenn nicht unbedingt nötig, deaktivieren Sie die Rauschreduzierung Ihrer Kamera, da diese für Langzeitbelichtungen zu einer Verdoppelung der Belichtungszeit führen kann. Dies liegt daran, dass die Kamera vor der eigentlichen Belichtung eine Testaufnahme mit geschlossenem Verschluss macht – was vor allem bei sich schnell wandelnden Lichtverhältnissen hinderlich ist. Wenn Sie RAW-Dateien aufzeichnen, können Sie die Rauschreduzierung auch nachträglich anwenden.
10. Blendensterne bei Straßenlaternen einfangen

Blendensterne erzeugen Sie, indem Sie mit kleinen Blenden zwischen f/16 und f/22 fotografieren. Dabei gilt: Je mehr Blendenlamellen ein Objektiv hat, desto ausgeprägter und sichtbarer sind die Sterne. Canons Weitwinkelobjektiv EF 16–35mm f/4L IS USM eignet sich zum Beispiel ideal, um diesen Effekt zu erzeugen.
Um eine ausgeglichene Belichtung zu erhalten, müssen Sie allerdings die kleinen Blenden mit einer längeren Belichtungszeit kompensieren, was die Gefahr birgt, einzelne Stellen des Motivs überzubelichten.
11. Ersatzakkus mitnehmen

Lange Belichtungen benötigen mehr Zeit, also verbraucht Ihre Digitalkamera auch mehr Energie, was die Akkulaufzeit verringert. Darüber hinaus beeinträchtigen kalte Temperaturen, wie sie am Abend oder nachts vorkommen, die Akkuleistung zusätzlich. Tragen Sie deshalb immer mindestens einen voll geladenen Ersatzakku bei sich.
12. Lichtspuren erzeugen

Bei langen Belichtungszeiten (hier: 1,6 Sek.) erzeugen Lichtquellen, die sich durch den Bildausschnitt bewegen (wie die von Fahrzeugen), eine Lichtspur. Um durchgehende Streifen zu erhalten, sollten Sie die Belichtung starten, kurz bevor ein Fahrzeug in den Bildausschnitt eintritt, und sie stoppen, wenn es ihn wieder verlässt. Der Langzeitbelichtungsmodus B in Kombination mit einem Fernauslöser ist ideal für diese Art von Aufnahmen.