Perfekte Videoqualität, doch der Ton ist nicht so toll? Kein Wunder: Viele Kameras besitzen seit eh und je eingebaute Mikrofone für die Videoaufnahme – deren Qualität lässt aber oft zu wünschen übrig. Wer ernsthaft Video-Ton aufzeichnen möchte, sollte daher zu einem externen Mikrofon greifen.

Externe Mikrofone: bester Ton für Videos
Panasonic-Lumix, die Sony-Alpha-Serie oder zum Beispiel die X-Serie von Fujifilm eignen sich perfekt für die Videografie. Doch beim Sichten des Materials fällt auf: Die aufgenommene Sprache ist häufig zu leise, es gibt Störgeräusche von Wind und/oder der Kamera selbst.
Das ist ärgerlich, aber eine Folge des kompakten Konzepts: Die integrierten Mikrofone sind kaum mehr als ein Notstopfen und bestenfalls für Umgebungsgeräusche in ruhigen, windstillen Umgebungen geeignet.
Wer Ton in passender Qualität für das Videomaterial produzieren möchte, muss zu einem externen Mikrofon greifen. Die Ausstattung dafür in Bezug auf die Anschlussfähigkeit ist dabei bei den meisten Kameras bereits vorhanden.
Wann sind externe Mikrofone nötig?

Sobald es darum geht, Content für Videoplattformen wie YouTube und TikTok zu produzieren, Interviews zu führen, Imagevideos zu erstellen oder Naturaufnahmen zu machen, ist die Anschaffung eines externen Mikrofons Pflicht:
Es hilft dabei, den Ton zu „fokussieren“ und zu richten, während gleichzeitig störende Nebengeräusche in den Hintergrund gerückt werden können. Wer auf ein zusätzliches Mikrofon für Kameras setzt, muss sich weder Sorgen um Windgeräusche noch um den Krankenwagen machen, der drei Straßen weiter die Sirene anwirft.
Und auch der Körperschall der Kamera wird entkoppelt: Störende Geräusche von Fokusmotoren oder das Scharren der Fingerkuppen am Kameragehäuse werden effektiv unterbunden. Und so heben externe Mikrofone Videoaufnahmen auf ein höheres Level.
Der Workflow entscheidet
Es gibt eine ganze Reihe von Mikrofon-Bauformen für den externen Gebrauch:
- Aufsteckmikrofone für den Blitzschuh,
- Tischmikrofone,
- klassische Reportage-Mikrofone, wie man sie von Nachrichtensendungen kennt,
- oder auch sogenannte Lavaliermikrofone zum Anstecken, wie sie etwa in Talkshows zum Einsatz kommen.
Entscheidend für die Anschaffung ist zunächst, welche Art von Videomaterial gefilmt werden soll: Wer draußen filmt, sollte seine Tonaufzeichnung anders aufstellen als jemand, der YouTube-Videos im heimischen Studio aufnimmt. Auch der Workflow der Tonaufzeichnung ist möglicherweise ganz anders.

Mikrofone setzen auf drei Technologien, um Wind, tieffrequente Störgeräusche oder auch den explosiven Schall menschlicher Verschlusslaute – etwa beim Aussprechen der Buchstaben „K“ oder „P“– zu eliminieren: den Wind- oder Popschutz.
Die meisten Mikrofone besitzen zwar bereits ein Schutzgitter, das hauptsächlich dem Schutz der empfindlichen Membran dient und für den Schutz solcher Störgeräusche keine Funktion hat. Der eigentliche Windschutz ist in aller Regel ein Überzug aus Schaumstoff-Gewebe, der als Allround-Windschutz bei minimalem Effekt auf den Ton dient.
Für Außenaufnahmen bei Wind bieten sich sogenannte „Deadcats“ an: Felle, deren Haare den Wind brechen und somit Störgeräusche verhindern. Allerdings sollten die nur im Notfall eingesetzt werden, da sie das Mikrofon dämpfen und nicht so gut gegen Verschlusslaute wirken.
Perfekt für mobile Videos
Der sinnvollste Allrounder für die Verbesserung der Tonaufzeichnung einer Kamera ist dabei das klassische Aufsteckmikrofon speziell für den Blitzschuh, der bei neueren Kameras inzwischen zum „Multi Interface Hotshoe“ ausgebaut wurde:
Es verbessert die Klangqualität deutlich, ist flexibel und spontan unterwegs verwendbar und stört kaum. Damit ist es bestens geeignet für Videofilmerinnen und -filmer, die viel und spontan unterwegs sind und beispielsweise auf Hochzeiten oder Familienfeiern filmen oder kleinere Interviews auf der Straße führen.
Mit einem Mikrofonadapter, wie dem DMW-XLR1E Mikrofonadapter für die Lumix GH5, lässt sich beispielsweise ein hochwertiges Kondensator-Mikrofon mit Richtcharakteristik anschließen. Sony bietet vom Aufsteckmikrofon ECM-G1 über Stereo-Modelle wie dem ECM-XYST1M bis hin zu hochpreisigen Profi-Mikrofonen eine Vielzahl von Tonaufzeichnern an.
Auch Fujifilm hält entsprechende Technik parat – doch auch Drittanbieter wie Sennheiser, Shure oder Røde haben jede Menge passende Mikrofone im Angebot. Der Blitzschuh ist grundsätzlich auch ohne Funktionssteuerung als Halterung verwendbar, angeschlossen werden die Mikrofone in aller Regel per Kabel über den Line-In-Klinkenstecker oder, wie bei einigen Sony-Modellen, direkt über die Pins des Hotshoes.

Wenn es um Mikrofone geht, stellt sich schnell die Frage nach dem Aufnahme-Charakter. Hier kommen Begriffe wie Keule, Niere oder Herz auf, und obwohl das nach den Bestandteilen einer Weihnachtsgans klingt, geht es doch um die sogenannte Richtcharakteristik, sprich: aus welchen Richtungen das Mikrofon Ton aufzeichnet. Diese ist eine direkte Folge der Bauform des Mikrofons. Im Grunde gibt es hier drei Grundformen:
1 | Kugel/omnidirektional (Rundumaufzeichnung)
2 | Acht/bidirektional (Aufzeichnung vorne und hinten)
3 | Keule/direktional (Richtmikrofon, hauptsächlich vorne)
Aus diesen drei Grundformen ergeben sich Mischformen, die Mikrofoncharakteristik ist dann eine sogenannte Nierencharakteristik, wahlweise als Niere, Superniere, Hyperniere oder breite Niere bezeichnet.
Fotografinnen und Fotografen können sich die Charakteristik nicht ganz wissenschaftlich korrekt wie die Brennweite eines Objektivs vorstellen: Kugel wäre ein Fischauge, Keule eine Art langes Tele für Ton. Bei der Acht und den Nieren handelt es sich im Prinzip um mittlere Brennweiten.
Was bedeutet das in der Praxis? Nun: Die verschiedenen Mikrofon- Typen sind für verschiedene Einsatzzwecke geeignet. Zum Aufstecken gibt es üblicherweise Allrounder mit Nierencharakteristik oder sogenannte Richt- oder Shotgun-Mikrofone mit Keule.
Lavaliers besitzen in aller Regel einen Kugelcharakter. Moderne Mikrofone wie Sonys ECM-B1M bieten aber die Möglichkeit, zwischen Charakteristiken umzuschalten.
Lavalier: Anderer Einsatzzweck
Wenn Sie Ihre Kamera vor allem für Streaming- oder Social-Media-Aufnahmen verwenden und hauptsächlich sich selbst und maximal einen Gesprächspartner aufzeichnen, kann es sinnvoller sein, zu einer anderen Mikrofon-Variante zu greifen: dem Lavalier-Mikrofon, das an das T-Shirt, die Bluse oder das Jackett geklemmt werden kann.
Das neue ECM-W3 für Sony besitzt gleich zwei Lavalier-Mikrofone und ist damit ideal für Set-ups, in denen zwei Menschen miteinander sprechen. Der Vorteil der Lavalier-Mikrofone ist, dass sie immer gleichbleibende Tonqualität bieten, der Nachteil sicherlich, dass das Einrichten und Anbringen ein wenig Zeit und Aufwand benötigt.
Tischmikrofone
Videografinnen und Videografen, die sich hauptsächlich in einem festen Set-up befinden und zum Beispiel YouTube-Videos oder Videostreams erstellen, sind am besten mit einem Tischmikrofon beraten.
Das steht direkt vor dem Sprecher, kann an der Kamera oder zur separaten Tonaufzeichnung auch am PC/Mac angeschlossen werden – und bietet immer die beste Tonqualität bei minimalem Einrichtungsaufwand und ist dank einer Vielzahl an Halterungen sehr flexibel einsetzbar. Hier gibt es Geräte aus allen Preisklassen von allen Herstellern.
Die Auswahl ist im Übrigen bei allen Mikrofontypen groß. Von günstigen No-Name-Produkten ist aus Qualitätsgründen jedoch abzuraten. Die Tonqualität ist dann häufig kaum besser als beim internen Mikro. Kurzum: Bei der Tontechnik sollten Sie nur in Ausnahmefällen auf das integrierte Mikrofon zurückgreifen. Profi-Ton erzeugen Sie nur mit zusätzlichen externen Geräten. Hier im Artikel heben wir beispielhaft das Angebot von Sony hervor.

Wenn Sie ein passendes Mikrofon für Ihre Kamera suchen, sollten Sie im Vorfeld prüfen, welches Anschlusssystem es verwendet. Sonys Alpha-Kameras besitzen einerseits den multifunktionalen Zubehörschuh für viele moderne hauseigene Mikrofone und andererseits einen 3,5-mm-Klinken-Eingang für ältere Geräte oder solche von Drittanbietern.
Hier müssen Sie darauf achten, dass das Mikrofon eine normale Stereo-Klinke ohne Audio-Ausgang besitzt (TRS). Viele Smartphone- und PC-Mikrofone besitzen TRRS-Stecker (erkennbar an den drei Ringen am Stecker). Der Profi-Standardanschluss XLR kann übrigens via XLRK3M-XLR-Adapter-Kit für den Zubehörschuh nachgerüstet werden.
Sinnvoll im privaten und semiprofessionellen Bereich ist aber der Einsatz der hauseigenen Zubehörschuh-Mikrofone oder eben von Geräten, die den Line-In-Anschluss verwenden.
DigitalPHOTO-Fazit
Wer die Tonqualität seiner Videos verbessern will, kommt um den Einsatz eines zusätzlichen Mikrofons nicht herum. Als Allrounder bieten sich Mikrofone an, die direkt an der Kamera befestigt werden können. So bleibt die Kamera flexibel ohne ständigen Umbau. Zusätzlich kann es je nach Einsatzzweck sinnvoll sein, ein Lavalier-Set oder auch ein Tischmikrofon anzuschaffen, um einzelne, feste Sprecher optimal aufzuzeichnen.