GoPro bohrt seine Actioncam auf: Die Hero12 Black hält länger durch und besitzt einige spannende Neuerungen. Hitzig ist sie aber wie die Vorgängerin – und überzeugt nicht in jeder Disziplin. Wir haben die Kollegen vom Magazin MacLife um ihre Einschätzung gebeten.

Actioncam vs. iPhone
Vor wenigen Wochen kam die Hero12 Black auf den Markt. Äußerlich hat sich gegenüber der Vorgängerin nicht viel getan – einzig an der Unterseite zwischen den aufklappbaren Befestigungsösen findet sich nun ein ¼-Zoll-Gewinde, dank dem sich die Hero12 etwa auf ein Kamerastativ schrauben lässt.
Ansonsten das gewohnte Bild: Links neben dem Sensor an der Vorderseite befindet sich ein 1,4 Zoll großes LC-Display. Berührungsempfindlich ist es nicht – da bietet die DJI Osmo Action 4 mehr: Mithilfe des 1,4-Zoll-Frontbildschirms der Kamera lassen sich dort u. a. Einstellungen justieren. Bei der Hero12 werden Einstellungen ausschließlich mithilfe des rückseitigen 2,27-Zoll-Touch-Displays geändert.
Die nackten Fakten
Bei den technischen Spezifikationen finden sich bei der GoPro Hero12 Black Neuerungen nur im Detail. Sie nimmt Videos wie das 11er-Modell mit maximal 5,3K (5312 × 2988 Pixel) bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde (frames per second, fps) auf.
Zeitlupen-Clips liefert sie bei 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) mit bis zu 120 fps – bei 2,7K (2720 × 1530 Bildpunkte) sind sogar 240 Bilder pro Sekunde drin. Die Rivalen erreichen nicht ganz so hohe Auflösungen und Bildraten:
Die DJI Osmo Action 4 schafft bei (maximal) 4K bis zu 120 Bilder pro Sekunde, 240 fps gibt es nur bis zu einer Auflösung von 1920 × 1080 Bildpunkten, also Full HD. Zum Vergleich: Das iPhone 14 Pro Max filmt 4K-Videos mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, 240-fps-Clips liefert das Smartphone ebenfalls in Full-HD-Qualität.
Bei Fotos hat das iPhone 14 Pro Max teils die Nase vorn: Es liefert Bilder mit einer Auflösung von 48 Megapixel (im ProRAW-Modus). Aber: Bei Nacht-, Porträt- oder Weitwinkelaufnahmen etwa reduziert sich der Wert auf 12 MP.
Die Hero12 Black knipst mit einer Auflösung von bis zu 27 Megapixel. Bei Bedarf lassen sich Standbilder aus Videos erstellen – die erreichen 24,7 Megapixel. Die Fotos der DJI Osmo Action 4 kommen nur auf 10 MP.
Apple führte 2022 den Actionmodus mit der iPhone-14-Generation ein. Er kombiniert mehrere Technologien, um ruhige Clips bei bestmöglicher Videoqualität zu ermöglichen. Die Kamera nutzt dabei die volle Auflösung des Sensors (4K), um mehr Bildinformationen aufzunehmen, als für die gewünschte Videoauflösung (2,8K) nötig sind.
Das ermöglicht der Kamera-App, die Bewegungen des iPhones zu verfolgen und das Bild entsprechend zu verschieben, um es zu stabilisieren. Das ist so, als ob Sie ein großes Bild haben, von dem man nur einen kleinen Ausschnitt sieht. Wenn das Bild bewegt wird, lässt sich der Ausschnitt anpassen, um ihn stabil zu halten.
Der Actionmodus arbeitet darüber hinaus mit einer erweiterten Rollkorrektur. Sie verhindert, dass das Bild in Schieflage gerät, wenn das iPhone bei der Aufnahme gekippt oder gedreht wird. Sensoren erkennen die Lage des Handys, die App dreht das Bild entsprechend und hält den Horizont stets in der Waage. Der Actionmodus nimmt mit einer Auflösung von 2,8K bei 60 fps auf und unterstützt Dolby Vision HDR, was für einen hohen Kontrast und lebendige Farben sorgen soll.
Der Praxis-Check

Wie sieht es etwa mit Schärfe und Detailreichtum der Videos aus? In dieser Disziplin sollte die GoPro mit ihren 5,3K eigentlich besser abschneiden als die 4K-Rivalen – doch die höhere Auflösung bringt in der Praxis keine erkennbaren Vorteile.
Selbst bei Vergrößerung der Aufnahmen lassen sich kaum Unterschiede in puncto Detailtreue und Schärfe ausmachen. Die beiden Actioncam-Rivalen liegen hier gleichauf. Die iPhone-Shots wirken am knackigsten. Bei der Farbdarstellung liegen die Hero12 und das iPhone vorn, deren Videos mit einem hohen Dynamikumfang überzeugen.
Licht- und Schattenbereiche sind teils ausgewogener und helle Stellen überstrahlen bisweilen nicht so sehr wie die der Osmo-Action-4-Clips. Hier sorgt die HDR-Technik für den Unterschied. Bei der GoPro und beim iPhone lässt sich HDR hinzuschalten, bei der Osmo Action 4 nicht.
Und Action
Actioncams sorgen selbst in Extremsituationen für ruhige Aufnahmen. Die GoPro Hero12 und die Osmo Action 4 bilden da keine Ausnahmen, die Kameras gleichen selbst heftige Verwackler aus – bei jeweils den höchsten Auflösungen.
Beide verrichten ihren Job gleich gut. Das iPhone stabilisiert Aufnahmen ebenfalls gut in allen Videomodi – und besitzt mit dem Actionmodus zusätzlich eine spezielle Bildstabilisierungsoption, die allerdings auf 2,8K begrenzt ist und den Ausschnitt etwas vergrößert. Die Aufnahmen wirken nicht ganz so scharf und detailreich wie die der Konkurrenten.
Weitere Funktionen

Der Funktionsumfang der beiden Actioncams ist nahezu deckungsgleich. Beide erstellen Zeitraffer-Clips und liefern Videos auf Wunsch als sogenannte Log-Files – eher ein Feature für Profis. Das sind flache Farbprofile, dank denen sich bei der Nachbearbeitung etwa mit Final Cut Pro unter anderem bei Farben und beim Dynamikumfang noch jede Menge herausholen lässt. Die Menüs der Actioncams sind vergleichbar aufgebaut und weitestgehend übersichtlich gestaltet.
Die Bedienung fällt dank auf Wunsch aktivierbarer abgespeckter Modi leicht aus. Ein Plus der GoPro: Voreingestellte Modi lassen mit nur einem Klick spektakuläre Bilder und Videos bei Nacht erstellen – Lichtmalereien, Auto-Lichtspuren oder die Bewegungen am Sternenhimmel gelingen damit spielend leicht. Weiteres Plus: Beide Actioncams sind ohne spezielle Gehäuse wasserdicht – die Hero12 bis 10 Meter, die Action 4 bis 18 Meter.
Fazit
Auch das neueste GoPro-Modell ist eine „Schönwetterkamera“: Die besten Ergebnisse lassen sich bei Sonnenschein an der frischen Luft erzielen, vor allem dank der neuen HDR-Funktion sehen die Aufnahmen klasse aus. In einigen Situationen wirken die Shots der Osmo Action 4 dagegen im wahrsten Sinne des Wortes blass.
In Innenräumen, bei Dämmerung und vor allem in der Nacht fällt die Qualität der GoPro-Ablichtungen aber stark ab – deutlich stärker als bei der Action 4. Nachgelegt hat GoPro im Vergleich zum Vorgänger bei der Akkulaufzeit, gut 90 Minuten sind bei 4K-Videos drin.
Allerdings nicht am Stück.
Denn Überhitzungsprobleme treten nach wie vor auf – bei 5K-Videos mit 120 fps beispielsweise schaltet die Kamera nach circa 25 Minuten ab. Unterm Strich ist die Hero12 aber eine richtig gute Actioncam, ebenbürtig mit der Osmo Action 4 – auch aufgrund der neuen HDR-Funktion bei Videos ein bisschen besser als der starke Vorgänger. Wer den besitzt, muss aber nicht umsatteln.