Knackige Konturen oder dynamische Unschärfe: Mit der Wahl der Belichtungszeit bestimmen Sie, wie Bewegungen in Ihren Fotos dargestellt werden. Nutzen Sie dies für reizvolle Kontraste!

Belichtungszeit verstehen: knackige Konturen oder dynamische Unschärfe
Fokuspunkt, Blende, Brennweite und der Abstand zum Motiv beeinflussen die Schärfe Ihrer Bilder. Keinesfalls vergessen werden darf jedoch die Belichtungszeit. Kurz gesagt, bestimmt diese, wie lange Licht während einer Aufnahme auf den Sensor fällt. Dabei gilt: je länger die Dauer, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Bewegungen unscharf im Bild erscheinen.
Dazu tragen sowohl die Bewegungen des Motivs als auch kleinste Erschütterungen der Kamera selbst während der Belichtung bei. Eine Belichtungszeit, die in jeder Fotosituation funktioniert, gibt es nicht. Ihre Wahl sollte grundsätzlich von zwei Faktoren abhängen: Ob Sie aus der Hand oder mit Stativ fotografieren und wie Sie bewegte Elemente innerhalb Ihres Motivs abbilden möchten.
Während kurze Zeiten Bewegungen einfrieren, zeichnen längere Belichtungen Bewegungen weich. Beide Varianten besitzen ihren Reiz und können kreativ in Ihre Bildgestaltung miteinbezogen werden. Ein tolles Gefühl für Bewegung, Geschwindigkeit und einen reizvollen Schärfeeindruck erzeugen auch sogenannte Mitzieher (siehe oben).
Hierbei wählen Sie eine etwas längere Belichtungszeit und verfolgen das Motiv während der Aufnahme mit der Kamera. So verschwimmt der Hintergrund in Bewegungsunschärfe, während das Hauptmotiv scharf abgebildet wird und im Kontrast noch spannender wirkt. Mitzieher-Aufnahmen erfordern etwas Übung.
Unser Tipp: Nutzen Sie den Zeitpriorität-Modus Ihrer Kamera, wählen Sie die Verschlusszeit entsprechend der Geschwindigkeit des Motivs (1/km/h) und fotografieren Sie im Serienbildmodus unter Verwendung des kontinuierlichen Autofokus.
Schärfe trifft auf Bewegungsunschärfe

Wie reizvoll die Kombination von Schärfe und Bewegungsunschärfe in einem Bild sein kann, zeigt die Aufnahme der Östlichen Wanderdrossel rechts. Während der Kopf des kleinen, farbenprächtigen Singvogels detailreich im Fokus steht, wird die schnelle Bewegung der Flügel weichgezeichnet und schenkt dem Foto eine kreative Note.
Bei der Wahl der passenden Belichtungszeit für diesen Effekt (hier 1/400 s) ist etwas Fingerspitzengefühl und Experimentieren gefragt, da sich Tiere an keine kontinuierliche Geschwindigkeit halten.
Apropos kontinuierlich: Um bewegte Wildlife-Momente scharf einzufangen, eignet sich der kontinuierliche Autofokus zusammen mit der Betriebsart Reihenbildaufnahme. Im Augenblick dieser Aufnahme hielt der Vogel seinen anfokussierten Kopf relativ ruhig, während er mit seinen Flügeln flatterte.
Bewegung scharf einzeichnen

Um ein bewegtes Tier wie diesen eindrucksvollen Weißkopfseeadler knackscharf vor einem unscharfen Hintergrund freizustellen, öffnen Sie die Blende (hier f/3,5) und arbeiten mit kurzen Verschlusszeiten zwischen 1/500 und 1/4000 s. Je nach Lichtverhältnissen kann es nötig sein, den ISO-Wert dafür zusätzlich zu erhöhen.
Zudem empfehlen wir, den kontinuierlichen Autofokus (AI-Servo/AF-C) in Kombination mit der Betriebsart Reihenbildaufnahme einzustellen. Bei einem sich schnell bewegenden Motiv macht es zudem Sinn, mehrere AF-Messfelder zur Fokussierung auszuwählen – als Zone oder erweiterter Bereich – und mit dem ausgewählten Gruppenmessfeld die Augen und den Kopf des Motivs zu verfolgen.
Halten Sie den Auslöser hierbei halb durchgedrückt oder drücken Sie die AF-ON-Taste, um kontinuierlich scharfzustellen. Übrigens: Einige Kameras bieten eine spezielle Autofokus-Augenerkennung in Echtzeit für Tiere.