Ratgeber

Aktmodeln aus Überzeugung: im Gespräch mit einem Aktmodell

Obwohl Dilyana Gibelin das Modeln nicht als ihren Beruf sieht, steht sie doch regelmäßig für viele Fotografinnen und Fotografen vor der Kamera. Mit ihren Bildern verfolgt sie eine persönliche Mission. Im Gespräch erzählt sie uns, wie es ist, in diesem intimen Fotogenre im Mittelpunkt zu stehen.

Aktmodeln aus Überzeugung

Für unsere Magazine führen wir regelmäßig Interviews und Gespräche mit Fotografierenden aus allen möglichen Genres. Was ist aber eigentlich mit den Modells? Wie erleben sie ihre Aufgabe und die Mitarbeit mit den nicht selten fremden Menschen, die ihnen gegenüberstehen?

Vor allem in der Aktfotografie, diesem so intimen Bereich der fotografischen Kunst, der viel Fingerspitzengefühl erfordert, damit die Bilder als stilvoll und ästhetisch empfunden werden, und der von einigen selbst dann noch als obszön verpönt wird.

Wir haben uns mit Dilyana Gibelin unterhalten, einer jungen Frau, die in Berlin lebt und bereits einiges an Erfahrung als Modell im Bereich Akt- und Teilaktfotografie gesammelt hat. Zu Beginn unseres Gespräches wollte sie aber unterstreichen, dass sie sich nicht als Modell sieht.

„Es gibt Menschen, die professionell modeln, das ist ihr Beruf und so verdienen sie ihr Geld. Ich respektiere sie und ihre Arbeit, aber ich mache es eher aus Vergnügen, da mir meine persönliche Botschaft dabei wichtiger ist“, so Dilyana.

Begonnen hat bei ihr alles vor fünf Jahren, als ein befreundeter Fotograf Aktbilder von ihr machte. „Nichts Ernsthaftes, nur als Erinnerung für mich“, erzählt uns Dilyana. Dann hatte er eine der Aufnahmen in den sozialen Medien veröffentlicht, was eine, ihrer Meinung nach unbegründete, Welle gesellschaftlicher Kritik auslöste.

„Mir waren die Kommentare der mir unbekannten Menschen egal, sie kennen mich ja nicht. Das, was aber meine Bekannten geschrieben haben, hat mich richtig verletzt“, erinnert sie sich. „Die Hauptkritik war: Wie kann eine junge Frau mit Familie, Mann und – damals noch – einem Kind, die ihre eigene Firma hat und im Kulturbereich tätig ist, so etwas tun? Als ob sich beides ausschließen müsse! Dieses Schubladendenken hat mich motiviert, das Gegenteil zu beweisen und mit den Aktaufnahmen von mir die Klischees zu durchbrechen.“

Der Domino-Effekt

Nachdem Dilyana einmal veröffentlichte Fotos hatte, ging es dann schnell mit den nächsten Shootings weiter. „Die sozialen Medien sind momentan die größte Maschine, in der Hobby- und Profi-Modells Aufträge finden können“, so Dilyana.

„Wie bei einer ungeschriebenen Challenge motivieren sich die Fotografinnen und Fotografen gegenseitig: Jemand fotografiert das Modell XY, für die nächste Person ist es eine Art von Herausforderung, dasselbe Modell abzulichten und zu sehen, was für Fotos er oder sie kreieren wird.“

Auf die Frage, was sie über einen Fotografen im Voraus recherchiert, damit sie einem Unbekannten bei so einem intimen Fotoshooting später vertrauen kann, antwortet Dilyana: „Leider habe ich auch negative Erfahrungen gesammelt. Aber es gibt keinen Weg daran vorbei. Jedes Modell hat so was mal erlebt.“

Am besten solle man nach der Kontaktaufnahme mit anderen Modells über die fotografierende Person sprechen. „Egal, ob man sie persönlich kennt oder nicht. Es ist nichts Schlimmes dabei, sich zu erkundigen“, fügt das Modell hinzu. Außerdem kann es helfen zu fragen, ob man zum Shooting eine vertraute Person mitbringen darf. „Manche lehnen das sofort ab und können nicht argumentieren, warum – das ist ein Warnsignal für mich. Etwas stimmt hier nicht.“

Mit oder ohne Vertrag?

Für Dilyana als Modell sei ein Vertrag obligatorisch. „Wenn ich mit jemandem arbeite, vertraue ich dieser Person. Ich habe recherchiert, die Person für mich ja ausgewählt, trotzdem kann es passieren, dass man am Ende nicht das bekommt, was versprochen wurde.“

Hier geht es ihr sowohl um die Anzahl der vereinbarten Aufnahmen als auch um die Zeit, die das Shooting beanspruchen wird. Wenn man als Modell keine Bezahlung erhält, ist ein TFP-Vertrag (Time for Prints) der Standard.

Zur Vorbesprechung der Richtung des Shootings sagt Dilyana: „Erfahrene Fotografinnen und Fotografen schicken ihre Moodboards, sie haben Ideen und du kannst etwas dazu ergänzen.“

Für ihren letzten Auftrag hat sie zum Beispiel vorab 100 Fotos bekommen und durfte zehn daraus auswählen, sodass sie gemeinsam eine Vision entwickeln konnten. „Geht es um einen bezahlten Auftrag, ist das natürlich anders. Aber für mich ist mein Weg perfekt. So habe ich die Freiheit, das zu machen und zu genießen, was auch meinem Geschmack entspricht.“

Das Modell

Dilyana Gibelin ist 30 Jahre jung und in Sofia, Bulgarien, geboren und aufgewachsen. Seit 2012 lebt sie in Berlin, wo sie zuerst einen Bachelor-Studiengang in Erziehungs- und Medienwissenschaften absolviert hat und momentan Erlebniskommunikation im Master studiert.

Dilyana und ihr Ehemann betreiben gemeinsam eine Booking-Eventmanagement-Agentur und den multifunktionalen Kunstraum „Kuker Berlin“ in Berlin-Kreuzberg, in dem sie verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen und Leseabende organisieren.

https://gibelin.berlin/de | Instagram: @dilyana.velichkova

Lesetipp

Aktfotografie: 10 hinreißende Aufnahmen aus unserer Lesergalerie

Faszination Aktfotografie: Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie, wie unterschiedlich stilvoller Akt aussehen kann. Die Aufnahmen unserer... mehr

Mehr zum Thema