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„Im Idealfall sind die Bilder innerhalb von zwei Minuten beim Kunden.“ – Sportfotograf Lukas Schulze im Interview

Auch in der Sportfotografie lassen sich ästhetische Bilder mit geschickten Kompositionen erstellen. Lukas Schulze beherrscht die Kombination aus Kreativität und Genauigkeit in Perfektion. Wie sich der entscheidende Moment festhalten lässt und trotzdem ein künstlerisch wertvolles Bild erzielt wird, verrät der Profi im Interview.

Sportfotograf Lukas Schulze im Interview

Lukas Schulze war selbst Leistungssportler, ehe ihn letztlich eine Verletzung zur Fotografie brachte. Heute arbeitet Schulze unter anderem für die internationale Bildagentur Getty Images. Seine Erfahrungen als Athlet spielen ihm hier in die Karten. Wir haben uns mit ihm auf dem Weg zu seinem nächsten Auftrag unterhalten dürfen.

DigitalPHOTO: Herr Schulze, wo erreichen wir Sie gerade? Sind Sie unterwegs?

Lukas Schulze: Ich sitze im Auto auf dem Weg in die Niederlande. Dort findet das Achtelfinalspiel der UEFA Youth League statt: AZ Alkmaar gegen Juventus Turin.

Von wem bekommen Sie Ihre Aufträge?

Ich arbeite für die größte Bildagentur der Welt, Getty Images. Darüber bekomme ich verschiedene Aufträge. Entweder muss ich das Spiel nachrichtlich fotografieren, im News-Aspekt. Das heißt, ich halte ganz normale Spielszenen fest: die Torschüsse, den Jubel, die Reaktionen der Trainer. Diese Bilder werden dann für redaktionelle Zwecke verwendet.

Oder ich erhalte, ebenfalls über Getty, Kundenaufträge vom Verein oder Verband. Hierfür soll ich dann zum Beispiel für die Sponsoren die LED-Werbebanden inklusive Actionszenen fotografieren. Wenn ich dagegen für die Deutsche Fußball Liga fotografiere, verlangt man nach ästhetischen Bildern, einem künstlerischen Blick, der sich von den Bildern der anderen Fotografen abheben soll.

Drehen wir das Rad der Zeit doch etwas zurück: Schauen wir auf Ihre Anfänge.

Gerne. Geboren bin in Magdeburg. Dort habe ich zuerst selbst Fußball gespielt, ehe ich in den Leistungskader der Leichtathletik gewechselt bin. Eine Verletzung zwang mich dazu aufzuhören. Ich bin aber weiterhin zu den Sportveranstaltungen gefahren und habe angefangen, diese zu fotografieren.

So konnte ich mir ein kleines Business aufbauen, in dem ich die Bilder den Eltern der Sportler*innen verkauft habe.

War die Fotografie schon immer ein Hobby?

Am Anfang mochte ich vor allem das Geräusch einer Spiegelreflexkamera. Ich habe dann von meinem ersten verdienten Geld meine erste DSLR gekauft und einfach gerne Sport fotografiert.

Das Geschäft lief also ganz gut?

Ja, von Anfang an, denn ich war in meinem Umfeld einer der ersten, der eine gute Kamera hatte, und obendrein hatte ich Zugang – auch durch meine Sport-Kontakte – in Bereiche, für die die Eltern keine Erlaubnis bekamen. So konnte ich mich hinter die Weitsprunggrube setzen oder stand neben den Kugelstoßern – und bekam Einblicke direkt vom Geschehen.

Wie alt waren Sie damals?

Da muss ich fünfzehn gewesen sein. Mir spielte auch in die Karten, dass ich sowohl den Fußballplatz, die Handballhalle, als auch das Leichtathletikstadion fußläufig erreichen konnte. Mein Tag fand größtenteils auf Magdeburgs Sportplätzen statt.

Worin lag für Sie der Reiz der Sportfotografie? Hätten Sie auch an einem anderen Fotogenre Interesse gehabt?

Ich war immer schon sportverrückt, auch durch meine Familie. Alles in meinem Leben drehte sich um den Sport – und etwas anderes kam eigentlich auch nicht in Frage. Ich konnte und kann mich immer noch leidenschaftlich dafür begeistern. Auch kann ich die Anspannung, die beim Sport herrscht, absolut nachvollziehen.

Sie motiviert mich sogar – und ich sehe es für meine Arbeit als großen Vorteil an, mich in die Köpfe der Athlet*innen hineinversetzen zu können, weil ich es selbst miterlebt habe. Diese Konzentration will ich festhalten. 

Wie ist der Ablauf beim Shooting?

Auch hier kommt es wieder auf den Auftrag an. Wenn ich redaktionell fotografiere, verschicke ich die Bilder direkt aus der Kamera an die Redaktionen – entweder über das Netzwerkkabel oder WLAN. Dort werden die Bilder bearbeitet und beschriftet und sofort online gestellt.

Bearbeitungen nehmen Sie selbst nicht vor?

Dafür ist am Spieltag keine Zeit. Ich wähle die Bilder aus, die rausgehen sollen, und spreche zum Bild noch eine Sprachnotiz ein. Dadurch können die Redaktionen die Aufnahmen zuordnen, falls z. B. eine Trikotnummer nicht direkt ersichtlich ist. In der Redaktion ist jede Trikotnummer automatisiert hinterlegt, sodass keine Spielernamen eingetippt werden müssen. Im Idealfall sind die Aufnahmen innerhalb von zwei Minuten beim Kunden.

Lassen Sie uns über Ihr Equipment sprechen. Mit welcher Kamera fotografieren Sie?

Seit 2014 fotografiere ich mit Nikon. Das weiß ich so genau, weil ich damals ein Fotovolontariat bei der Deutschen Presse-Agentur absolviert habe und dort Nikon-Equipment gestellt bekommen habe.

Sie sind der Marke treu geblieben?

Ja, das war eine gute und weise Entscheidung. Ich fühle mich als Berufsfotograf bei der Marke bestens aufgehoben. Der Nikon-Service (NPS: Nikon Professional Service, Anm. d. Red.), so höre ich es auch von Kolleginnen und Kollegen, ist außergewöhnlich gut. Unsere Probleme werden ernst genommen und unsere Arbeit wird bestmöglich gefördert. Auf sportlichen Großereignissen werden wir NPS-Fotografen mit aktuellster Technik unterstützt.

Sie haben uns noch nicht Ihre aktuelle Kamera verraten?

Inzwischen arbeite ich mit drei Nikon Z 9.

Drei! Sind die alle gleichzeitig im Einsatz?

Ich habe immer drei Kameras am Mann – bestückt in der Regel mit je drei Festbrennweiten: 28mm f/1,4, 105mm f/1,4 und 400mm f/2,8. Damit kann ich sofort auf alle Motivsituationen eingehen. Wenn möglich und gewünscht, fotografiere ich am liebsten offenblendig, um auch das schöne Bokeh in den Bildaufbau zu integrieren.

Welche Eigenschaften muss eine Kamera besitzen, um für Sie infrage zu kommen?

Für mich muss eine Kamera extrem robust sein, weil sie für mich Arbeitsgerät ist. Sie muss bei Wind und Wetter funktionieren, muss zuverlässig, aber auch intuitiv bedienbar sein. Was ich an der Z 9 extrem schätze, ist, dass ich gefühlt jeden einzelnen Knopf selbst belegen und die Kamera wirklich auf meine Wünsche konfigurieren kann.

Jeder Fotograf, jede Fotografin muss anders arbeiten, braucht andere Prioritäten, hat unterschiedlich große Hände – und die Z 9 lässt sich auf diese individuellen Bedürfnisse anpassen.

Sie fotografieren sicher nur in JPG?

Nein, ich fotografiere alles immer auch in RAW – genauer in RAW und JPG. So kann ich die komprimierten Bilder direkt in die Redaktionen schicken, behalte aber immer die RAW-Daten, um im Nachhinein noch das Bestmögliche rausholen zu können.

Wie sehen Ihre Kameraeinstellungen aus?

Ich stelle alles manuell ein. Auch hier kommen mir die Individualtasten der Z 9 entgegen – zum Beispiel, wenn das Fußballfeld zur Hälfte im Schatten und zur anderen Hälfte in der Sonne liegt, speichere ich mir auf eine Funktionstaste eine zweite Belichtung.

Sprich: Die normale Einstellung habe ich entweder auf die Sonne oder den Schatten eingestellt und drücke den Funktionsknopf dann, wenn das Spielgeschehen von Schatten auf Sonne wechselt oder umgekehrt.

Zum Schluss interessiert uns natürlich noch, was ein gutes Sportfoto ausmacht.

Für mich geht es bei einem gelungenen Sportfoto auch um Ästhetik. Im besten Fall soll eine Sportaufnahme nicht vordergründig wie ein reines Abbilden des Sports aussehen, sondern die Komposition und die Bildidee sollten im Vordergrund stehen.

Der Fotograf

Geboren in Magdeburg, kam Lukas Schulze schon in Jugendjahren zur Fotografie. Der ehemalige Leistungssportler musste seine Sportlaufbahn aufgrund einer Verletzung frühzeitig beenden, fand aber in der Sportfotografie seine Passion. Heute arbeitet Schulze u. a. für die Bildagentur Getty Images und für Sportartikelhersteller.

Er begleitete als Fotograf Großereignisse wie die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, die UEFA Fußball-Europameisterschaft sowie diverse Champions Leagues, Euro Leagues und Supercup-Finals. Schulze wurde für seine Arbeit mehrfach mit nationalen und internationalen Sportfoto-Preisen geehrt.

www.schulzelukas.com | Instagram: @schulzelukas.photo

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